Kauspielzeug für Hunde: Welches eignet sich?

Kauen macht Hunde glücklich. Uns Halter die Auswahl von Kauspielzeug aber oft weniger. Denn es gibt unfassbar viele Artikel zu kaufen. Was eignet sich und was bleibt besser im Laden? Wir haben mit einer Hundetrainerin und dem Geschäftsführer eines Hundeladens darüber gesprochen.

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Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn ein Hund auf etwas kaut, setzt das in seinem Gehirn Glückshormone frei. Das Kauen macht ihn aber nicht nur glücklich, sondern beschäftigt ihn und sorgt dafür, dass er sich beruhigt. „Sein Frust kann so sinnvoll abgebaut und kanalisiert werden“, erklärt Nadia Winter. Sie betreibt in Karlsruhe die Hundeschule und Hundeverhaltensberatung Frei Schnauze.

Gut für die Zähne

Außerdem kann die Beschäftigung zusätzlich zum Zähneputzen die Zahngesundheit positiv beeinflussen. Der Kauartikel reibt am Gebiss und reinigt es so mechanisch. Produkte, die speziell auf Hunde und ihr Kaubedürfnis abgestimmt sind, sind also sinnvoll. Die passenden zu finden ist aber gar nicht so leicht. Die Vielfalt an Materialien ist riesig: Knochen, Haut, Geweih, Innereien, Holz, Kautschuk, Seil, Stoff … Dazu gesellen sich die verschiedensten Größen und Formen.

Kauartikel aus Holz

Viele Hunde lieben es, Stöcke aus dem Wald mit sich zu tragen und darauf herumzukauen. Äste sind dafür aber nicht geeignet: Die Gefahr, dass sie zerbrechen und das Maul verletzen, ist hoch. Holz für Hunde muss hart sein und darf nicht splittern. 

Eine Alternative zum Ast ist die Torgas- Wurzel. „Sie stammt von einer portugiesischen Kiefer und ist besonders hart“, weiß Mathias Hoffmann vom Hundeladen Pet Shop Boyz in Hamburg. Sie eigne sich gut für Hunde, die sonst gerne Stöcke schleppten. Auch Nadia Winter gefällt das Naturprodukt: „Die Wurzel splittert in der Regel nicht, man kann sie auch Welpen geben.“

Mittlerweile gibt es Produkte aus Kaffeeholz, das auch fester und härter sein soll als Äste aus heimischen Wäldern. Sind Eure Hunde Fans von Holz, solltet Ihr ihnen Wurzeln geben, die zu ihrer Größe passen und die sie problemlos an ihre Plätze tragen können.

Spielzeug aus Gummi

Bei diesem Material ist die Auswahl an verschiedenen Formen, Beschaffenheit und Farben riesig. Artikel mit Noppen können die Zähne reinigen, glatte Oberflächen erfüllen diesen Zweck nicht. „Generell sollte man auf Natürlichkeit achten“, betont Nadia Winter. Übler Plastikgeruch ist ein Warnzeichen.

Lest zudem den Text zu Inhaltsstoffen und Verarbeitung auf der Verpackung aufmerksam. Kauartikel dürfen sich nicht einfach zerlegen lassen, da Hunde sonst Teile verschlucken könnten. Die Trainerin hält zudem viele sehr billige Gummi-Artikel für bedenklich, da sie Giftstoffe enthalten könnten.

Quietschendes Kauspielzeug sieht sie kritisch: „Wo soll der Hund einen Unterschied zwischen einem quietschenden Spielzeug, Tier oder Baby machen?“ Ein gutes Spielzeug aus Naturkautschuk ist für Nadia Winter beispielsweise der befüllbare Original-Kong. Er sei strapazierfähig und in seinen Bewegungen unberechenbar. Ihn auszulecken beruhigt den Hund, zum Beispiel wenn der Halter das Haus verlässt. Außerdem lässt er sich einfach in der Spülmaschine reinigen.

Tierische Produkte

Als kulinarische Highlights funktionieren Kauartikel aus Holz eher schlecht, denn sie sind recht geschmacksneutral. Sie begeistern deshalb nicht jeden Hund. Aromatischer geht es bei Geweih, Haut, Huf, Organen und Knochen zu. 

„Das Hirschgeweih funktioniert ähnlich wie Holz“, sagt Mathias Hoffmann. Der enthaltene Kalk sei gut für die Gelenke. Je nach Gebiss des Hundes halte das Geweihstück bis zu zwei Monate. Hirsche verlieren übrigens einmal jährlich auf natürliche Weise ihr Geweih. Es heißt dann Abwurfstange. 

Für Welpen und ihre weicheren Zähne ist Geweih laut dem Experten aus dem Hundeladen wenig geeignet. Besser seien andere tierische Produkte, zum Beispiel Haut und Ohren. An diesen können die Kleinen gut kauen und sie dann auch fressen. Die Magensäure löst normalerweise auch heruntergeschluckte Stücke problemlos auf.

Klassiker wie Ochsenziemer 
(getrockneter Ochsenpenis) und Schweineohr sind recht kalorienreich. Ihr solltet sie Euren Hunden nur in Maßen servieren. Als kalorienärmere Alternativen kommen für Mathias Hoffmann Rinderkopfhaut oder Rinderohren infrage. Ohren gibt es mit und ohne Fell zu kaufen. Hunde, die im Frühjahr Gras fressen, nehmen oft die Fell-Ohren gut an. Das Haar spucken sie aus oder fressen und scheiden es aus.

„Auch Kaninchen- und Lammohren eignen sich und sind gut für Zähne und Kaumuskulatur“, fügt Nadia Winter hinzu. Sie füttert selbst gerne Artikel aus Lamm und Strauß. Manche Hunde verputzen Ohr & Co. innerhalb von Minuten. Fressen Eure Lieblinge ihre Kauartikel nicht so zügig auf, solltet Ihr die zerkauten Stücke vor allem im Sommer nach einer Weile besser entsorgen.

Gute Qualität erkennen

Produkte, die qualitativ gut sind, riechen nicht. Außerdem haben Ohren, die aus Deutschland stammen, ein Loch, in dem die Tiermarke saß. Schaut Euch Kauartikel immer genau an: Natürlich sind Mottenlöcher und Würmer ein No-Go. Von Billigware zweifelhafter Herkunft, die mit haltbar machenden Stoffen besprüht wurde und mit Bakterien belastet sein kann, solltet Ihr die Finger lassen.

Bei Knochen gehen die Meinungen auseinander, auch die unserer Experten. Generell gilt: Gekochte Knochen splittern und sind tabu. Bei rohen Knochen ist Mäßigung angesagt: „Wenn der Hund zu viel Knochen frisst, führt das zu Verstopfung“, gibt Mathias Hoffmann zu bedenken. Er hat in seinem Laden Kalbsunterbein im Programm. Nadia Winter verfüttert keine Knochen. Ihre Hunde bekommen Kalbsknörpelchen vom Metzger. „Die sind gut zerkau- und verfütterbar.“

Artikel aus Stoff, Seil und Tau

Geflochtene oder geknotete Kauartikel lassen sich oft in der Waschmaschine ähnlich gut säubern wie Gummiartikel. Wie mit den anderen Produkten kann sich der Hund mit diesen Spielzeugen selbst beschäftigen. Sie eignen sich außerdem sehr gut für gemeinsame Zieh- und Zerrspiele und somit für die Beziehungsarbeit. 

„Tauknoten mit fransigen Enden pflegen die Zahnzwischenräume, ähnlich wie Zahnseide beim Menschen“, ergänzt Mathias Hoffmann. Ein Vorteil gegenüber vielen Zahnpflegesnacks: Sie enthalten keinen Zucker und bleiben nicht an den Zähnen kleben. 

Bei Kauartikeln aus Stoff solltet Ihr lediglich darauf achten, dass Eure Hunde nicht zu viele Fetzen verschlucken. Wie bei jedem anderen Kauartikel auch, empfiehlt es sich, immer in der Nähe zu sein, um im Notfall schnell helfen zu können.

Welches Kauspielzeug soll´s werden?

Welche Kauartikel eignen sich denn nun am besten für Eure Hunde? Diese Frage lässt sich am besten beantworten, wenn ihr ganz individuell Rücksicht nehmt auf die Vorlieben und die körperliche Verfassung Eurer Lieblinge. Bei der Auswahl behaltet ihr natürlich außerdem Eure persönlichen Einstellungen im Hinterkopf.

Achtet beim Kauf darauf, dass der Kauartikel Eurer Wahl möglichst natürlich ist und sich das Produkt nachverfolgen lässt. Übrigens: eine schöne Geschenkidee für Eure Hunde oder die von Freunden ist ein selbstgemachtes Spielzeug aus zusammengeknoteten Filzstreifen.

Kurz und knapp: Kauartikel für Hunde

  • Kauen setzt Glückshormone frei, beschäftigt & beruhigt
  • Kauartikel aus Holz müssen hart sein und dürfen nicht splittern
  • Bei Spielzeug aus Gummi auf Natürlichkeit achten
  • Hirschgeweih enthält Kalk und ist gut für die Gelenke
  • Wenn Knochen, dann nur rohe
  • Haut und Ohren eignen sich für Welpen besser
  • Ochsenziemer enthalten viele Kalorien
  • Zerkaute Stücke vor allem im Sommer rechtzeitig entsorgen
  • Gute Produkte tierischer Herkunft riechen nicht
  • Stoff kann wie Zahnseide funktionieren, Hunde sollten aber nicht zu viele Fetzen schlucken
  • Bei der Auswahl immer auf Vorlieben und Gesundheit Eurer Hunde achten