Zecke: Quälgeist und Krankheitsüberträger

Zecken beim Hund: Tipps

 

Eine Zecke hat sich vermutlich jeder Hund schon einmal eingefangen. In der Regel sind die kleinen Blutsauger harmlos – es sei denn, sie sind Überträger von Krankheiten wie Borrelliose oder Babesiose. 

Zecken, Flöhe und Milben gehören zu den sogenannten Ektoparasiten: Im Unterschied zu Endoparasiten wie Spul- oder Bandwürmern leben sie auf ihrem Wirt, indem sie sich in seinem Fell einnisten oder in seine Haut eingraben. Zecken und Flöhe saugen Blut, während Milben sich vorwiegend von Hautzellen ernähren. Während Flöhe und Milben in der Regel einen starken Juckreiz auslösen, bleiben Zecken im dichten Fell des Hundes oft lange Zeit unentdeckt. Das ist riskant, denn genau wie Flöhe können Zecken Krankheiten übertragen – und das Risiko einer Übertragung nimmt mit der Dauer, die eine Zecke bereits das Blut ihres Wirtes saugt, zu.

Zecke: Spinnentier, Blutsauger, Quälgeist

Biologisch betrachtet ist die Zecke ein hochspezialisiertes Spinnentier, das sich seiner Art der Nahrungsgewinnung vollständig angepasst hat. Mit ihrem hochentwickelten, widerhakenbesetzten Stechapparat und ihren scherenartigen Mundwerkzeugen ritzt sie die Haut des Hundes auf und saugt sich fest. So hängt sie bis zu 15 Tage an ihm und fällt erst ab, wenn sie vollgesaugt ist und bis zu 200-fach an Gewicht zugelegt hat. Besonders wohl fühlt sie sich an Körperstellen wie den Achselhöhlen, den Innenseiten der Oberschenkel oder dem Genitalbereich. Weltweit gibt es etwa 900 verschiedene Zeckenarten; bei uns in Deutschland ist in erster Linie der Gemeine Holzbock (Ixodes Ricinus) verbreitet. Aber auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) findet man immer öfter – diese Zeckenart ist besonders gefährlich, da sie häufig mit dem Babesiose-Erreger infiziert ist. 

Zecke: Hier lebt sie besonders gern

Besonders wohl fühlt sich die Zecke an Waldrändern und auf Lichtungen, doch auch in Gärten und Stadtparks ist sie immer häufiger anzutreffen. Da sie sich in erster Linie in Bodennähe bewegt, sind Hunde für sie leichte Beute. Die Zecke bevorzugt ein feucht-warmes Klima und ist deshalb besonders im Sommer nach Regen aktiv. Bei kalten, trockenen Bedingungen ist das Risiko, sich eine Zecke einzufangen, geringer – das heißt aber nicht etwa, dass man an diesen Tagen vor Zecken sicher ist. Zecken sind ausgesprochen widerstandsfähig – unter Laborbedingungen können sie bis zu 10 Jahre von einer einzigen Blutmahlzeit leben. Hauptsaison haben Zecken jedoch von April bis Oktober – hier sind die klimatischen Bedingungen für sie am besten.

Zecken sind unappetitlich und können beim Hund lokalen Juckreiz und Hautrötungen auslösen. Viel gefährlicher sind jedoch die Krankheiten, die manche Zecken übertragen. Viele dieser Erkrankungen sind lebensbedrohlich und schwer behandelbar.

Durch die Zecke übertragbare Krankheiten:

  • Borreliose
  • Babesiose
  • Ehrlichiose
  • FSME
  • Anaplasmose  

 

Borreliose beim Hund. Die vermutlich größte Gefahr in Deutschland geht von der Borreliose aus: Mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi ist schätzungsweise jede dritte Zecke infiziert. Nur etwa 5% der betroffenen Hunde entwickeln Symptome. Die Symptome der Borreliose sind mit Fieber, Appetitlosigkeit und Müdigkeit relativ unspezifisch, zumal sie oft erst Wochen nach dem Zeckenbiss auftreten. Typisch für die Borreliose im weiteren Verlauf sind Gelenkentzündungen und Entzündungen von Nerven und Organen. Durch Ag-Ak-Komplex-Ablagerungen in der Niere kommt es oft zu Nierenversagen, was besonders häufig bei Golden und Labrador Retrievern beobachtet wird. Der Tierarzt diagnostiziert Borreliose mit einem speziellen Test und behandelt das betroffene Tier mit Antibiotika. Die Therapie von Borreliose schlägt jedoch nicht immer an. Es gibt einen Impfstoff gegen Borreliose, der jedoch in seiner Wirksamkeit nicht unumstritten ist. 

Babesiose beim Hund wird durch einzellige Parasiten namens Babesien ausgelöst und zerstört im Laufe der Erkrankung die roten Blutkörperchen. Aufgrund der Ähnlichkeit der Symptome – u.a. Fieber, Apathie, Abmagerung, kaffeefarbener Harn, blasse Schleimhäute, Leberversagen - wird die Babesiose auch als „Hunde-Malaria“ bezeichnet. Babesiose ist eine schwere, potenziell tödliche Erkrankung, die aber, wenn sie früh genug erkannt wird,  mit speziellen Medikamenten in der Regel erfolgreich behandelt werden kann.

Die Ehrlichiose ist eine Infektionskrankheit tritt in erster Linie im Mittelmeerraum auf und äußert sich durch Symptome wie Fieber, Blutungen, Erbrechen, Apathie und Abmagerung. Ehrlichiose wird mit Antibiotika behandelt.

Anaplasmose ist ebenfalls eine Infektionskrankheit, die durch die sogenannten Anaplasmen verursacht wird. Da Anaplasmen die Bluttplättchen angreifen, die für die Blutgerinnung notwendig sind, kommt es in 80% der erkrankten Hunde zu punktförmigen Blutungen der Schleimhäute und zu Nasenbluten. Andere typische Symptome sind Fieber, Apathie und Fressunlust. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch eine 4-wöchige Antibiotikumtherapie.

FSME  bei Hunden tritt eher selten auf, ist aber eine besonders schwere Infektion des Gehirns, die unter anderem zu neurologischen Störungen mit Fieber und Bewusstseinstrübungen führt.

Zecken beim Hund vorbeugen

Aufgrund der Übertragungsgefahr der vorgenannten Krankheiten ist es wichtig, den Hund vor Zecken angemessen zu schützen. Mit Kontakt-Antiparasitika, Spot-Ons oder Zeckenschutz-Halsbändern werden Zecken abgeschreckt oder sterben spätestens beim ersten Blutsaugen ab. Der Vorteil dieser Mittel ist, dass sie meist über einen längeren Zeitraum vor Zecken schützen. Der Tierarzt berät hier gerne über die richtige Parasitenprophylaxe.

Wichtig: Bei Hausmitteln wie Knoblauch, Leinöl oder Zitronella ist die Wirksamkeit gegen Zecken nicht nachgewiesen und sollte bezweifelt werden. Wirkungsvoll können dagegen einige zusätzliche Verhaltenstipps sein, wenn sie zuverlässig eingehalten werden.

Verhaltenstipps gegen Zecken:

  • Hund während der Zeckensaison direkt nach dem Spaziergang nach Zecken absuchen – häufig können sie noch abgesammelt werden, bevor sie sich festgesaugt haben.
  • Hund auf dem Spaziergang eher auf den Wegen laufen lassen und nicht ständig ins hohe Gras oder Unterholz lassen


Eine Zecke richtig entfernen

Hat der Hund sich doch einmal eine Zecke eingefangen, sollte sie schnell und fachännisch entfernt werden. Wichtig: Hände weg von Hilfsmitteln wie Alkohol, Nagellackentferner, Klebstoff oder Öl! Diese Mittel führen bei der Zecke oft zu Erbrechen – und beim Erbrechen können gefährliche Krankheitserreger ins Blut des Hundes gelangen.

Ideal zur Entfernung einer Zecke sind sogenannte Zeckenhaken oder Zeckenzangen, die jeder Hundehalter im Haus haben sollte. Das Fell des Hundes sollte vorsichtig geteilt werden, damit sich keine Haare in der Zeckenzange verfangen. Die Zecke wird vorsichtig umfasst, festgehalten und in einer langsamen Drehbewegung hinaus gezogen.

Wichtig: Nachdem die Zecke gezogen ist, könnt Ihr die Einstichstelle desinfizieren. Behaltet sie und das Verhalten Eures Hundes in den nächsten Tagen im Auge, um eine mögliche Veränderung frühzeitig zu bemerken.

Bildquelle:

fotolia.com Bild 1 hemlep; Bild 2 Ingo Sch.; Bild 3 bina01

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