Schmerztherapie bei Hunden

Schmerz lass nach - Ursachen finden und Leid lindern

 

Ein Hund, der akut oder dauerhaft unter Schmerzen leidet, ist in seiner Lebensqualität stark beeinträchtigt. Ihm zu helfen, ist sowohl Verantwortung des Hundehalters als auch des Tierarztes. Welche Methoden bietet die Schmerztherapie?

Schmerz wird von der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (IASP) als ein „unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer tatsächlichen oder drohenden Gewebeschädigung verknüpft ist, oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“ definiert. Er kann unterschiedliche Ausprägungen haben, zum Beispiel schneidend, brennend, stechend, dumpf, drückend oder pulsierend. Grundsätzlich ist Schmerz ein wichtiges Warnsignal des Körpers, das darauf aufmerksam macht, dass etwas nicht stimmt. Er führt dazu, dass wir Wunden versorgen, das lädierte Knie schonen, Schonkost zu uns nehmen oder dem Körper Ruhe verordnen. 

Hunde und Katzen haben ein ähnliches Schmerzempfinden wie wir Menschen. Sie können sich jedoch nicht so deutlich mitteilen und leiden häufig unbemerkt. Unerkannter Schmerz verzögert die Behandlung der Schmerzursache und begünstigt das Voranschreiten der vorliegenden Erkrankung. Beides mindert unter Umständen die Heilungschancen. Zudem kann eine eingenommene Schonhaltung zu Fehlbelastungen und infolge dessen zu voranschreitenden Verschleißerscheinungen und weiteren Beschwerden führen. Eine gute Beobachtungsgabe und ein geschulter Blick sind deshalb notwendig, um zu erkennen, ob Hund oder Katze leiden.  

Einem Tier dann zu helfen gebietet sowohl die Ethik als auch das Tierschutzgesetz, das in §1 besagt „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Das Gesetz hält außerdem in §2 Art. 1 fest: „Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.“ 

Beeinträchtigung der Lebensqualität

Schmerzen haben gravierenden Einfluss auf das Wohlbefinden und schränken die Lebensqualität eines Hundes stark ein. Sie können massiven Stress verursachen und das Herz-Kreislaufsystem sowie den Magen-Darm-Trakt beeinträchtigen. Auch eine Verhaltensänderung des Hundes kann durch Schmerz ausgelöst werden. Dies ist insbesondere bei verhaltensauffälligen Tieren zu berücksichtigen.     

Aus ethischer Sicht müssen sich Hundehalter die Frage stellen, ob dauerhaft leidende vierbeinige Patienten ein artgerechtes Leben führen. Kann ihr Leiden aufgrund der Art oder Schwere der Erkrankung nicht gelindert werden, steht die Frage der Euthanasie im Raum.  

Schmerzen können ausgehend von unterschiedlichen Kriterien folgendermaßen unterteilt werden: 

  • Schmerzdauer: akut oder chronisch
  • Schmerzqualität: affektive und sensorische Schmerzqualität
  • Lokalisation des Schmerzes: Kopf, Gesicht, Hals, Nacken, Rücken, Bauch, Extremitäten, Gelenke, Muskeln, Knochen
  • Schmerzursache: z.B. entzündlich, traumatisch oder durch Tumore beim Hund bedingt
  • Schmerzumstände: in Ruhe, in Bewegung oder unter Belastung
  • Schmerzauslösung: durch Druck, Loslassen oder Beklopfen 

Ziele der Schmerztherapie

Das oberste Anliegen ist es, die Schmerzursache ausfindig zu machen und sie so zu behandeln, dass eine Linderung oder Beseitigung der Schmerzen eintritt. Dabei wird die Tiergesundheit ganzheitlich betrachtet.

Weiterhin bemühen sich Tiermediziner, körperliche und seelische Folgeerkrankungen, die durch ein körperliches Leiden hervorgerufen werden, zu verhindern. Zudem sollen Auswirkungen auf das Schmerzgedächtnis des Hundes möglichst vermieden werden. Dauert ein Schmerz über einen längeren Zeitraum an, bildet sich eine sogenannte Schmerzbahn zum Gehirn. Der Hund hat dann trotz erfolgter Therapie Schmerzen, weil sein Schmerzgedächtnis das erlittene Schmerzempfinden gespeichert hat.

Zum Einsatz kommt eine Schmerztherapie in folgenden Fällen:

  • bei chronischen Schmerzen, also dann, wenn sie länger als drei Monate andauern und die Ursache nicht oder nicht mehr behandelt werden kann
  • bei starkem akutem Schmerz
  • im Rahmen von operativen Eingriffen (davor, währenddessen und danach)

Tipps - woran erkenne ich Schmerzen bei Hunden? 

Aus einem natürlichen Schutzmechanismus heraus verbergen Tiere empfundenen Schmerz gut vor Artgenossen und ihren Menschen. Das macht es schwerer, einen unter Schmerzen leidenden Hund zu erkennen. Ganz allgemein können alle Abweichungen vom normalen Verhalten des Tieres einen Hinweis auf Schmerzen geben. Um festzustellen, ob Hunde Schmerzen verspüren, sollten zunächst drei Bereiche genauer betrachtet werden: die Körperhaltung, die Reaktion auf Berührungen und das Verhalten.

Symptome des Schmerzes

  • gekrümmter, nach oben gewölbter Rücken
  • Lahmheit einer Pfote
  • ungewöhnliche Körperhaltung oder Schonhaltung
  • ängstlicher oder gestresster Gesichtsausdruck
  • gesenkter Kopf
  • übermäßiges Lecken und Beknabbern schmerzhafter Körperregionen, Schmatzen
  • Empfindlichkeit bei Berührung, unter Umständen verbunden mit Aufschreien oder Jaulen  
  • Trägheit, Apathie oder Inaktivität 
  • Hyperaktivität oder Ruhelosigkeit
  • Aggression gegenüber Artgenossen oder Menschen 
  • Verweigerung der Nahrungsaufnahme
  • Leistungsabfall beim Hundesport

Beobachtet Ihr eines oder mehrere dieser Symptome, solltet Ihr Euren Hund einem Tierarzt vorstellen. Im Rahmen der Schmerzbehandlung sollte eine Diagnose gestellt werden. Nur so kann dem Hund langfristig geholfen werden.

Ursachen: eine Diagnose stellen

So vielfältig wie Schmerzen sich äußern können, so zahlreich können auch die Ursachen sein. Nicht immer gelingt nach Entdecken des Schmerzes ein direkter Rückschluss. Der Tierarzt erhält mit Hilfe weiterer Untersuchungen Hinweise auf die Diagnose. 

  • Traumata, die Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen oder Brüche nach sich ziehen
  • chronische degenerative Gelenkerkrankungen, z. B. Arthrose beim Hund
  • akute Erkrankungen (beispielsweise Darmverschluss, Magendrehung beim Hund, Gebärmuttervereiterung)
  • Vergiftungen bei Hunden
  • Tumore
  • Folgen einer Operation (z.B. Kastration)

Methoden, die helfen können

Im Rahmen der Schmerztherapie wird die Heilung der Grunderkrankung und damit die Beseitigung der Schmerzursache angestrebt. Wenn das nicht möglich ist, kann eine Dauertherapie begonnen werden. Je nach vorliegender Erkrankung und Ursache gibt es in der Tiermedizin verschiedene therapeutische Methoden zur Linderung der Schmerzen: 

  • Medikamentöse Behandlung: Schmerzmittel und andere Medikamente zur Linderung und Entzündungshemmung
  • Hunde-Physiotherapie: Bewegungstherapie, Massage und Lymphdrainage
  • Neuraltherapie: gezielte Injektionen eines Betäubungsmittels an bestimmten Stellen
  • Elektrotherapie: therapeutische Anwendung von elektrischem Strom
  • Ultraschalltherapie: Therapie mit Ultraschallwellen
  • Lasertherapie bei schmerzhaften Erkrankungen von Gelenken und Muskulatur
  • Akupunktur: Setzen von Nadeln an Meridianen
  • Thermotherapie: Anwendung von Wärme und Kälte
  • Goldimplantation: Einsetzen von Goldpartikeln bei orthopädischen Erkrankungen
  • Hunde-Homöopathie: alternativmedizinische Behandlung
  • Aromatherapie: setzt auf die Wirkung ätherischer Öle


Im Mittelpunkt der Schmerztherapie steht das Ziel, das betroffene Tier von seinem Leiden zu befreien. Ethische Gesichtspunkte finden dabei unbedingt Beachtung und helfen bei der Entscheidung, ob und in welchem Umfang eine Therapie im Sinne des Tieres stattfindet. 

Bildquelle:

fotolia.com Bild 1 Ipictures; Bild 2 Africa Studio; Bild 3 Sergey Nivens

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Chronisch krank, verletzt oder gerade operiert - wenn der Hund Schmerzen hat, leidet sein Mensch mit ihm.

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