Epilepsie bei Hunden

Ursachen, Symptome und Behandlung von epileptischen Anfällen

Ein Hund erleidet scheinbar aus heiterem Himmel Krampfanfälle, seine Muskeln zucken, er speichelt und ist nicht ansprechbar. Diagnose: Epilepsie.

Die Epilepsie ist die häufigste chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Hunden. Rund 5 Prozent der Hunde leiden an der „Fallsucht“, wie die Epilepsie auch genannt wird. Katzen erkranken deutlich seltener.

Die Epilepsie ist die häufigste chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Hunden.

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Interview: Wie sieht der Alltag mit einem an Epilepsie erkrankten Hund aus?

Carolin (31) lebt zusammen mit ihrem Labrador Retriever Ole (4) in Jever. Im Alter von 1,5 Jahren wurde bei Ole eine idiopathische Epilepsie diagnostiziert. Wir haben mit Carolin über die Krankheit ihres Hundes gesprochen.

Stadthunde.com: Seit wann weißt du, dass dein Hund Epileptiker ist?

Im Alter von 1,5 Jahren wurde bei Ole eine idiopathische Epilepsie diagnostiziert. Wir haben mit Carolin über die Krankheit ihres Hundes gesprochen.

Stadthunde.com: Seit wann weißt du, dass dein Hund Epileptiker ist?

Carolin: Ole hatte mit 1,5 Jahren nachts ohne Vorankündigung seinen ersten epileptischen Anfall. Dieser ereignete sich aus dem Schlaf heraus und kam völlig unerwartet. Ole ist aufgestanden, hat gewürgt und danach weißen Schleim erbrochen. Direkt danach ist er umgekippt und hat ca. 2 Minu-ten lang gekrampft. Dabei hat er laut gejault und war danach erst einmal desorientiert und total panisch. Ich habe direkt an eine Vergiftung beim Hund gedacht und hilflos den Tierarzt angerufen. Ich war total aufgewühlt und habe die restliche Nacht nicht geschlafen. Ole ist vor Erschöpfung nach etwa einer Stunde wieder eingeschlafen. Am nächsten Morgen sind wir dann direkt zum Tierarzt gefahren.

Stadthunde.com: Wie ging es weiter?

Carolin: Kurz nach unserem Tierarztbesuch bekam ich die Information, dass ein Geschwisterhund aus Oles Wurf an idiopathischer Epilepsie erkrankt ist. Somit bestätigte sich der Verdacht unserer Tierärztin, was den Anfall von Ole anging.

Nach dem dritten Anfall innerhalb von vier Wochen waren wir dann in der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die Neurologen dort haben mich erst einmal insgesamt über die idiopathische Epilepsie aufgeklärt und meine Fragen beantwortet. Der Nachweis der Erkrankung funktioniert nur mit einer Ausschlussdiagnostik. Dazu zählen Röntgenaufnahmen, Blutuntersuchun-gen, ein MRT und eventuell eine Liquoruntersuchung. Bei Ole wurden bis auf die Liquoruntersu-chung alle Untersuchungen gemacht. Damit schließt man andere Krankheiten aus, die die Krampf-anfälle auslösen könnten. Zudem wurde Ole mit Medikamenten eingestellt und ich habe viele hilf-reiche Tipps im Umgang mit der Epilepsie erhalten. Mittlerweile fahren wir einmal im Jahr zum Check-Up in die TiHo Hannover.

Stadthunde.com: Welches Medikament bekommt Ole - und wie spricht er darauf an?

Carolin: Ole bekommt von Anfang an das Medikament Pexion. Das ist noch relativ neu und nur für die Therapie beim Hund geeignet. Viele vierbeinige Epileptiker erhalten Medikamente, die auch in der Humanmedizin genutzt werden.

Mit dem Medikament kommt Ole erstaunlich gut zurecht. Im Austausch mit anderen Betroffenen habe ich erfahren, dass das nicht selbstverständlich ist. Bei Ole sind die Anfälle erst gelindert wor-den. Mit einer Höherdosierung nach einigen Monaten konnte auch die Anfallshäufigkeit gesenkt werden. Wir haben also für uns eine gute Medikation gefunden.

Stadthunde.com: Wann hatte dein Hund zuletzt einen Anfall?

Carolin: Man unterscheidet bei den Anfällen ja zwischen fokalen Anfällen und generalisierten Krampfanfällen. Ole hat seit fast 1,5 Jahren keine fokalen Anfälle mehr. Diese sind mit der Medi-kamentengabe sehr zügig in Häufigkeit und Ausprägung zurückgegangen. Der letzte generalisierte Krampfanfall ist mittlerweile acht Monate her. Die Abstände sind stetig größer geworden.

Stadthunde.com: Wie verhältst du dich, wenn dein Hund akut einen Anfall hat?

Carolin: Wenn Ole einen Anfall hat, versuche ich als erstes, alle gefährlichen Gegenstände wegzuräumen, um Verletzungen während des Krampfes zu vermeiden. Dann bekommt er von mir schnellstmöglich Diazepam als Schmerzmittel, wenn ich kurz vor oder während des Krampfes an ihn rankomme. Ansonsten kann man nur mit drei bis vier Schritten Abstand dabei sein und immer wieder beruhigend auf den Hund einreden, um ihm zu helfen. Wichtig ist es, eine weitere Person im Haus zu haben oder jemanden anzurufen. Sollte der Hund nicht von selbst aus dem Krampf kom-men oder sich schwer verletzen, muss man direkt zum Tierarzt. Ohne Hilfe ist das schwer machbar.

Nach dem Krampf beruhige ich den Hund, gehe mit ihm in den Garten und versuche ihn zur Ruhe zu bringen. Ole benötigt dann etwas Futter, um wieder zu Kräften zu kommen. Danach schläft er meist, hierbei ist körperliche Nähe für ihn wichtig. Er braucht die Geborgenheit und Kuscheleinheit, um den Krampf zu verarbeiten. Am darauffolgenden Tag lasse ich ihn nicht allein.

Stadthunde.com: Was bedeutet die Krankheit für Euren Alltag?

Carolin: Als Nebenwirkungen des Pexion konnte ich eine gewisse Trägheit oder auch stoische Ge-lassenheit, vermehrtes Wasserlassen und mehr Appetit feststellen. Diese Nebenwirkungen bedingen schon einen veränderten Tagesablauf. Ich füttere Ole in mehreren kleinen Mahlzeiten am Tag, da er sonst permanent auf Nahrungssuche ist. Wichtig ist eine getreidefreie Ernährung. Ob man hierbei ein hochwertiges Trockenfutter, ergänzt um frisches Obst, Gemüse und Quark oder Joghurt oder BARF als Ernährung wählen sollte, ist nicht ganz geklärt. Meiner Meinung nach sollte jeder Hundehalter für sich schauen, was besser in den Alltag passt.

Ole benötigt zudem einen sehr stringenten und geregelten Tagesablauf.  Zudem achte ich darauf, dass er nur bei bestimmten Personen in der Betreuung ist. Klar, er darf Spiel und Spaß haben, aber er benötigt auch Pausen. Er darf nicht überdrehen, dann ist die Gefahr für einen Anfall groß. Aufregung, egal ob positiv oder negativ, löst Anfälle aus. Das kann das Tasche packen für den Urlaub am Abend vor der Urlaubsreise sein oder Streit und schlechte Stimmung zwischen seinen Bezugs-personen.  

Stadthunde.com: Welche Tipps möchtest du an Betroffene weitergeben?

Carolin: Anderen Besitzern würde ich vor allem raten, einen Fachtierarzt aufzusuchen. Die Behandlung der Epilepsie erfordert Fachwissen. Ein Neurologe kann die richtige Therapie für den Hund meines Erachtens besser bestimmen als der allgemeine Tierarzt. Meine Tierärztin hat uns direkt an die Fachärzte verwiesen, dafür bin ich ihr heute dankbar.

Zudem sollte man jeden Anfall protokollieren. Hierbei kommt es vor allem auf den Ablauf an. Mit einem Anfallsprotokoll erkennt man möglicherweise ein Muster oder aber auch Veränderungen. Zudem sollte man, wenn möglich, einen Anfall auch mal filmen. Oftmals hilft das den Tierärzten bei der Diagnose.  

So vielschichtig die Ausprägungen der Epilepsie sind, so viele Tipps gibt es auch. Bei all den Möglichkeiten in Sachen Therapie, Ernährung und Tierheilpraktik sollte man die Kosten nicht vergessen. Die Epilepsie von Ole verursacht im Monat ca. 125 Euro Mehrkosten.

Stadthunde.com: Wie ist Oles Prognose für die nächsten Jahre?

Carolin: Wenn Ole weiterhin so gut mit der Medikation zurechtkommt, kann er ein normales Hundeleben führen und entsprechend alt werden. Aber bei häufigeren und stärkeren Anfällen wäre es eventuell nicht möglich. Hierbei muss man sich dann die Frage stellen, bis wohin ein Leben mit epi-leptischen Anfällen für einen Hund noch lebenswert ist.

Danke für das Gespräch!

Auf ihrer Webseite www.labrador-epilepsie.de gibt Carolin Einblick in Oles Alltag und seinen The-rapieverlauf. Außerdem findet Ihr dort Informationen zu ihren Erfahrungen mit der Epilepsie.

Bildquelle:

Fotolia.com, Pornchai7
Foto privat

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