Hunde-Trauer bei Senioren

Hunde-Tod: Ältere Menschen trifft er besonders


Auf unseren Spaziergängen kam uns früher oft ein alten Herr mit einem kleinen Spitz entgegen. Er wirkte rüstig und hellwach. Wie bestürzt war ich, als ich denselben älteren Herrn eines Tages ohne seinen Spitz im Wald antraf. Doch wie sehr hatte er sich verändert! Er war zusammengesunken und teilnahmslos. Eine Weile sah ich ihn gar nicht mehr und befürchtete schon das Schlimmste. Dann traf ich ihn kürzlich wieder - einen lustig gefleckten Mischling an der Leine, mit aufrechtem Gang und glänzenden Augen.

 

In Deutschland halten etwa anderthalb Millionen Menschen, die die 60 bereits überschritten haben, einen Hund. In Zeiten, in denen die Vereinsamung im Alter schon fast eher die Regel als die Ausnahme ist, ist der Wert eines vierbeinigen Gefährten für einen alten Menschen unschätzbar groß.

 

Älteren Menschen sind Hunde nicht nur zuverlässige und treue Gefährten. Ein Hund hält den alten Mensch fit und beweglich, er treibt ihn hinaus in den Park, erleichtert ihm den Kontakt zu anderen Menschen und schützt ihn damit vor Isolation und Vereinsamung. Ein Hund lenkt den älteren Menschen ab von seinen Sorgen und Krankheiten, er schenkt ihm Geborgenheit und Nähe. Der Hund gibt ihm nicht das Gefühl, das alte Menschen in unserer Gesellschaft allenthalben haben: Dass sie eine Belastung sind. Im Gegenteil gibt er ihnen eine Aufgabe: kümmere Dich um mich!

 

Dankbarkeit oder Verzweiflung

 

Die Reaktion älterer Menschen auf den Tod ihres Hundes kann sehr unterschiedlich ausfallen. Nach einem aufregenden, langen Leben voller Erfahrungen kann es sein, dass sie den Tod eines Hundes gelassen hinnehmen und einfach nur voller Dankbarkeit zurückdenken an die gemeinsame Zeit. Doch meist ist das Gegenteil der Fall.

 

Trauerforscher beschreiben den Verlust eines geliebten Lebewesens als eine Art psychischer Amputation. Je näher man sich dem Verstorbenen gefühlt hat, desto schlimmer sind die emotionalen Folgen dieses Verlustes. Ältere Menschen leben oft nur noch für ihren Hund, er ist ihr einziger Vertrauter, der einzige Grund, morgens noch aufzustehen. Wenn der Hund nicht mehr da ist – was bleibt dann noch? Für einen älteren Menschen kann der Verlust seines geliebten Hundes zu einer existenziellen, als lebensbedrohlich empfundenen Krise werden. Seine innere Leere ist enorm.

 

Hunde-Tod erinnert an eigene Sterblichkeit

 

Wie ältere Menschen den Verlust ihres Hundes verkraften, hängt entscheidend davon ab, wie sie selbst ihrer eigenen Endlichkeit gegenüberstehen. Schon jüngere Menschen fühlen sich beim Tod eines Nahestehenden an ihre eigene Sterblichkeit erinnert, wie muss es da erst Menschen ergehen, die dem Ende ihres Lebens deutlich näher sind?

 

Ein Mensch, der gelassen gealtert ist und das Ende seines Lebens als etwas ganz Natürliches betrachtet,  wird um seinen Hund angemessen trauern, aber nicht verzweifeln. Einen Menschen jedoch, den der Gedanke an den eigenen Tod mit Angst erfüllt, kann der Tod seines Hundes in schiere Panik versetzen und verzweifeln lassen.

 

Doch in diesem Zusammenhang zwischen dem Sterben des geliebten Hundes und der eigenen Sterblichkeit kann auch eine große Chance liegen. Der Verlust kann uns wachrütteln, kann uns aufzeigen, wie unvermeidlich es ist, die eigene Endlichkeit zu akzeptieren – und der verbleibenden Zeit soviel Lebensfreude zu schenken, sie so intensiv zu erleben, wie es nur möglich ist.