Hunde-Tod: Die letzten Stunden

Hunde verdienen einen würdevoller Abschied

 

Als ich Robby an seinem letzten Abend daheim besuchte, wusste ich nicht, dass ich ihn zum letzten mal in diesem Leben sehen würde. Er war alt und sehr krank, und doch ahnte ich nicht, dass die Zeit, die wir an diesem Abend miteinander verbrachten, so unendlich wertvoll sein würde. Es war ein unbestimmtes Gefühl, dass mich veranlasste, ihn  – so wie früher – auf meinen Schoss zu heben und an mich zu drücken, ihm zu sagen, wie sehr ich ihn liebe. Er starb im Morgengrauen. Noch heute bin ich unendlich froh, ihn dieses eine Mal noch einmal ganz bewusst festgehalten zu haben.

 

Manchmal merkt man es, wenn das Ende naht. Der Hund verhält sich anders als sonst, eine Hundekrankheit nimmt ihren vorgezeichneten Verlauf, die Prognose vom Tierarzt ist unmissverständlich.

 

Zu wissen, dass die gemeinsame Zeit sich dem Ende entgegen neigt, ist schier unerträglich – aber gleichzeitig auch ein großer Segen.

 

Vielen Menschen wird ihr Hund sehr plötzlich genommen, er wird jäh aus ihrem Alltag gerissen, sei es durch einen Verkehrsunfall, eine Vergiftung beim Hund oder ein anderes Unglück. Wenn Ihr die letzte Zeit mit Eurem Hund ganz bewusst erleben und Euch in Ruhe verabschieden könnt, kann das die Trauer um Hunde  nicht mildern, aber dennoch ein kleines Stück Frieden schenken, etwas, an dem man sich später festhalten kann.

 

Was würde Euer Hund mit der letzten Zeit, die er bei Euch hat, anfangen? Diese Frage kann jeder, der seinen Hund bis zum Ende begleitet hat, am Besten beantworten. Jetzt, am Ende seines Lebens, sollten seine Interessen ausschließlich im Vordergrund stehen.

Hund verwöhnen ist jetzt erlaubt!

 

In jedem Fall sollte alles vermieden werden, was Stress bei Hunden verursacht. Schmerzmittel dürfen jetzt hoch dosiert werden, denn ein längerfristiger gesundheitlicher Schaden ist nicht zu befürchten. Leckereien, die sonst als schädlich für Hunde gelten, dürfen ihm gereicht werden, um ihm seine letzten Tage oder Stunden zu versüßen – so lange sie keine direkten Auswirken haben, weil sie unverträglich sind. Er darf nach allen Regeln der Kunst verwöhnt werden, wenn er es möchte.

 

Vielleicht  gibt es Freunde, von denen Ihr Euch vorstellen könnt, dass Euer Hund sie noch einmal gerne sehen würde? Der vierbeinige Kumpel, mit dem Euer Hund, als er noch beweglicher war, gerne spazieren ging? Menschen aus der Familie, die ihm nah stehen? Lasst Besuch aber nur zu, wenn Euer Hund dadurch nicht zu sehr gestresst wird. Vielleicht genießt Euer Hund es, den ganzen Tag an Eurer Seite auf dem Sofa oder im weichen Bett zu liegen? Vielleicht möchte er aber, wenn sein Zustand es zulässt, auch noch ein letztes Mal mit Euch hinaus in seinen Hunde-Garten und sich die frische Brise um die Nase wehen lassen.

 

Euer Hund und Ihr: Schöne Erinnerungen

 

Alles, was Ihr jetzt für Euren Hund tut – jeder kleine Liebesbeweis - wird Euch später noch ein paar unvergessliche Erinnerungen und ein klein wenig mehr Seelenfrieden schenken. Backt ihm einen verzierten Hackbraten oder gönnt ihm eine Hunde-Massage, wenn er das mag. Auch Dinge, die Eurem Hund vordergründig herzlich wenig bringen, Euch aber sehr viel, können Eure Beziehung in den letzten Stunden noch einmal vertiefen – solange sie Eurem Hund nicht schaden.

 

Ihr könnt ihm erzählen und zeigen, wie sehr Ihr ihn liebt, damit er Euch in diesem Bewusstsein verlassen kann. Selbst wenn er Eure Worte nicht versteht, wird er spüren, was Ihr fühlt. Sagt ihm alles, was Ihr ihm noch sagen wollt, bevor es zu spät ist – so albern es auch sein mag. Später werdet Ihr froh sein, es ausgesprochen zu haben.

 

Verunsichert ihn nicht mit Eurer Angst vor dem Alleinsein, Eurem Verlust. Signalisiert ihm, dass Ihr bereit seid, ihn gehen zu lassen, weil Ihr ihn liebt. Tut nichts, was Euren Hund stressen würde – verzweifeln gehört dazu. Anstatt über das Kommende nachzudenken, nutzt lieber die Zeit, die Euch bleibt, so intensiv wie möglich – denn jetzt kann es auf jeden Herzschlag ankommen.

 

Hunde loslassen, wenn wir sie lieben

 

Doch jeder Hund ist anders. Während der eine es genießt, wenn Ihr ihm fürstliche Augenblicke bereitet, möchte der andere Hunde lieber Stille um sich herum, möchte sich zurückziehen. Selbst wenn Euch das weh tut, weil Ihr ihm noch einmal Eure Zuneigung beweisen wollt  - lasst ihn. Sein Rückzug ist kein Zeichen von Ablehnung. Viele Tiere ziehen es vor, alleine zu sterben – und viele Menschen ebenfalls. Vielleicht können sie nur so das loslassen, was sie lieben. Und loslassen müssen wir sie am Ende auch. (je)