Rufe ins Nichts

Auswirkungen eines Hunde-Tods

 

Ashley und ich gehen jetzt seit knapp  9 Jahren zusammen durchs Leben. Ein Team in jeder Lebenslage, sie vertraut mir und ich vertraue ihr – blind! Auch wenn das manchmal nicht so aussieht...

 

 

Mit meinem letzten Hund, Robin, verbinde ich viele schöne Stunden. Ich war noch ein Kind und dieser Hund war es, der mich zusammen mit meiner Mutter zur Rettungshundearbeit gebracht hat. Ein Hobby, das zum großen Teil in meinem Leben geworden ist und auch Ashleys Leben jetzt bestimmt.

 

Aber mit Robin teile ich auch einen Moment, der zu dem Schlimmsten meines Lebens zählt: Robin wurde direkt vor meinen Augen überfahren. Er blickte kurz vorher noch zu mir, freute sich und schaute mich so an, als wollte er mir sagen „Ich komme zu dir, kleinen Moment!“

 

Er stand auf der anderen Straßenseite und alle Rufe mit „Warte! Steh!“ verschallten scheinbar ins Nichts. Er sprang in meine Richtung und das rote Auto stoppte ihn noch im Flug. Wenn ich heute daran zurückdenke glaube ich, es war vollkommene Stille in den Momenten danach.

 

Frühere Erlebnisse lassen uns nicht los

 

Dieses Erlebnis ist jetzt 13 Jahre her. Und trotzdem verfolgt es mich immer noch, als wäre es gestern gewesen. Wenn Ashley und ich spazieren sind, läuft sie eigentlich immer ohne Leine, denn sie gehorcht zuverlässig. Doch wenn wir in die Nähe einer befahrenen Straße kommen, ist es vorbei mit dem Vertrauen. Ein Pfiff, die Leine kommt ans Halsband und wir überqueren gemeinsam die Straße. Klar, ich könnte von hinten auch rufen “Sitz“ und mein Hund würde sich hinsetzen, auf mich warten und mit mir bei Fuß über die Straße laufen, ohne Leine.

 

Das geht aber nicht – psychisch. Vielleicht macht Ashley genau in dieser Sekunde das Kommando nicht, vielleicht kommt genau in dieser Sekunde ein Hase gerannt - wie damals. Und wer garantiert mir, dass sie sich dieses Mal genauso wenig für den Hasen interessiert wie sonst immer?

 

Wir lernen aus unseren Erfahrungen

 

Ich kann tun was ich will, meine Erlebnisse mit meinen früheren Hunden haben Auswirkungen auf meinen Umgang mit Ashley. Egal ob positiv oder negativ. Unsere Nachfolgehunde erfahren immer eine andere Erziehung als unser Ersthund. Wir erkennen Fehler, die wir früher gemacht haben, finden neue Ausbildungsmöglichkeiten und lernen aus unseren Erfahrungen.

 

Ich habe in den letzten Jahren viel gelernt – auch, dass ich meinem Hund vertrauen kann. Doch sobald ich eine Straße sehe, ist mein Kopf leer. Und ich schreie wie ich damals geschrieen habe. Mit dem Unterschied, dass Ashley mich anschaut mit dem „Was ist denn Frauchen? Ich komme ja schon!“-Blick, zu mir wackelt und ich fast wieder über mich selbst lache. (hs)

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