Ein Hund und ein Schatten

Lupold ist der Hund, den ich immer wollte, die Erfüllung meines Kindertraums. Der  junge Draufgänger hat mir mit seiner lebensfrohen Art die Arbeit an diesem traurigen Special, das uns alle sehr mitgenommen hat, enorm erleichtert. Nein, Lupold gebe ich nicht her! Doch dann stutze ich – denn genau diese Einstellung war es, die dafür verantwortlich ist, dass sich heute ein Schatten über mich legt, wenn ich an den Hund denke, der vor Lupold da war: Robby...

 

Als Robby starb, war mir, als stürbe mit ihm alles an mir, was noch Kind gewesen war. Ich war zwölf Jahre alt, als ich ihn – mit einer riesigen lilafarbenen Schleife um den Hals – zum Geburtstag geschenkt bekam. Er begleitete mich bis in mein Erwachsenenleben, half mir über alle Höhen und Tiefen, die man zwischen Kindheit und Erwachsenendasein erlebt.

 

Der fröhliche kleine Mischling besaß keinerlei Erziehung, war jedoch immer für mich da, erlebte mit mir die tollsten Abenteuer und stand mir in meinen dunklen Stunden bei. In seiner dunkelsten Stunde stand ich ihm nicht bei.

 

Selbstvorwürfe und Akzeptanz

 

Nach fünf Jahren ist aus den quälenden Selbstvorwürfen eine dumpfe Akzeptanz meiner zweifachen Schuld geworden. Die größere Schuld ist sicherlich, dass ich ihn nicht loslassen wollte. Nach einem langen und erfüllten Leben war Robby alt geworden und seine Leber war fast zerstört. Aber ich - nunmehr kein Kind, sondern eine erwachsene Frau - konnte ihn nicht gehen lassen.

 

Als meine Mutter mich an jenem Abend ansah und sagte: „Ich glaube, es ist soweit“, schüttelte ich nur wütend den Kopf. Auf dem Küchentisch lag die Telefonnummer des Tierarztes schon seit Tagen bereit. Doch ich beteuerte, dass immer noch Kampfgeist in dem kleinen Hund stecke und drückte ihn weinend an mich. „Wir schauen, wie es ihm morgen geht,“ beharrte ich trotzig, verabschiedete mich und fuhr heim in meine eigene Wohnung.

 

Robby starb ohne mich

 

Robby starb in der Nacht. Er starb qualvoll, das ist meine erste Schuld, und er starb ohne mich, das ist die zweite. Ich, sein Frauchen, lag in meinem Bett und schlief, als er unter Krämpfen in den Armen meiner Mutter starb. Erst am nächsten Morgen rief sie mich an, und erst mittags war ich da und beweinte seinen kleinen Körper.

 

Ich schaue Lupold an, den kraftstrotzenden jungen Collie mit seinem klaren Blick und seinem glänzenden Fell. Und ich verspreche ihm, dass ich ihn gehen lassen werde, wenn es soweit ist, und dass ich bei ihm sein werde, wenn es soweit ist. Nur eben nicht so bald, bitte...(je)

 

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