Hundesenioren - Erziehung und Umgang Teil 2

Alte Hunde – aufs Abstellgleis?

 

Die meisten älteren Hunde streben gar nicht nach so viel Nachsicht. Werden wir Menschen im Alter nur noch geschont, müssen nichts mehr tun, haben Narrenfreiheit –  wären wir noch glückliche, agile Menschen?

 

Die Psyche verkümmert, wenn wir zu sehr geschont werden. Und diesen Vorgang können wir auch auf unsere Hunde übertragen. War der Hund ein Leben lang Rettungshund oder durfte mit Euch oft trainieren, Ballspielen und hin und wieder Unterordnung laufen, so wird er es später vermissen.

 

Er wird sich hängen lassen und dann geht das Altern mit größeren Schritten voran, als es Euch lieb ist. Er fühlt sich vielleicht nutzlos. Also tut etwas mit euren Senioren! Sie sind nicht zu alt dafür – denn Hunde Beschäftigungsideen gibt es auch für alte Vierbeiner. Massagen, Hunde-Wellness im Allgemeinen oder Physiotherapeutische Übungen im Speziellen – unternehmt gemeinsam etwas mit Eurem Senior!

 

Zeigt dem Hund, dass er gebraucht wird!

 

Bei der Hundeerziehung und Folgsamkeit kann man ruhigen Gewissens Abstriche bei betagten Hunden machen. Es ist zum Beispiel völlig in Ordnung, dass der Hund langsamer kommt, vielleicht einfach, weil er nicht mehr so schnell laufen kann. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn er gar nicht kommt.

 

Es ist auch in Ordnung, wenn er sich  langsam hinsetzt bei dem Kommando „Sitz“ – aber er muss sich hinsetzen. Wer seinen Hund bereits ein Hundeleben lang kennt, kann genau in ihm lesen und weiß, wann er altersbedingt einen schlechten Tag hat. Dann nehmt Euch mit Euren Kommandos zurück und lasst ihn nur noch das Nötigste machen.

 

Ist er gut drauf, könnt ihr auch mal wieder eine Unterordnung mit ihm laufen. Zeigt ihm, dass er immer noch genauso gebraucht wird, auch wenn er nicht mehr der Jüngste ist. Zeigt ihm auch, dass ihr immer noch mit ihm zusammen arbeiten wollt. Das hält den Hund jung und gibt ihm ein gutes Gefühl.

 

Dass man einfühlsamer wird mit dem alten Hund ist verständlich und auch sinnvoll. Alte Hunde strahlen meist auch eine viel größere Gutmütigkeit und Gemütlichkeit aus. Diese Einfühlsamkeit sollte nur nicht in Lustlosigkeit und Desinteresse umschlagen. Denn so wie ihr euren Hund mit den Jahren kennen gelernt hat, so kann auch euer Hund Euch lesen. Er merkt, was ihr von ihm denkt. Enttäuscht ihn nicht, indem Ihr ihn innerlich bereits abschreibt, sondern erfreut ihn, indem Ihr ihn sinnvoll fordert, auf ihn eingeht und sichtlich stolz auf ihn seid.

 

Verwöhnaroma ist erlaubt

 

Maßlose und unüberlegte Inkonsequenz ist also nicht der Weg, seinem Hund im Alter etwas Gutes zu tun. Im Zusammenleben zu Hause dagegen darf der Hund tatsächlich den einen oder anderen Altersbonus genießen.

 

War es dem Hund beispielsweise früher verboten auf die Couch zu hopsen, weil ihr mit ihm die Rangordnung festlegen musstet, braucht Ihr Euch nach vielen Jahren des Zusammenlebens höchstwahrscheinlich keine Gedanken mehr zu machen.

 

Ladet ihn ruhig ein, neben Euch zu liegen. Es wird ihn glücklich machen eine Stufe höher gestellt zu werden als bislang. Er wird sicher nicht mehr euren Status als Rudelführer in Frage stellen. Derartige Inkonsequenz wird keine Schäden in der Erziehung anrichten und auch nicht beim Hund. Hier macht ihr euren Hund mit ein bisschen „Verwöhnaroma“ auch glücklich. Mit kleinen Gesten der Aufmerksamkeit und Fürsorge könnt Ihr Eurem Hund immer wieder zeigen, dass er Euch wichtig ist und dass Ihr stolz auf ihn seid.

 

Und genau das ist es doch, was wir wollen: Einen glücklichen Hund. Es stimmt einen Hundehalter traurig, zu sehen, dass die besten Jahre seines Hundes vorbei sind. Gleichzeitig sind wir dankbar für diese Jahre und genau das sollten wir ihm zeigen – mit Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und großer Hochachtung. Euer Hund wird es Euch danken! (hs)