Welpentraining und Welpenerziehung Teil 2

Welpenverhalten sinnvoll formen

Welpenerziehung heisst, das Verhalten des Welpen sinnvoll zu formen. Der Welpe lernt, welche Verhaltensweisen sich für ihn lohnen und welche nicht. Erwünschtes Verhalten muss immer lohnenswert sein, unerwünschtes Verhalten bringt ihm keinen Vorteil. So können Welpenbesitzer sein Verhalten sanft, aber bestimmt beeinflussen.

Viele Welpen neigen dazu, Menschen anzuspringen. Das kann mehrere Ursachen haben. Vielleicht wollen sie zur Begrüßung und zur Beschwichtigung die Mundwinkel lecken, oder einfach auf sich aufmerksam machen. Es wäre falsch, dieses Verhalten bei Welpen zu dulden und erst beim ausgewachsenen Hund abzutrainieren. Natürlich kann man von einem Welpen nicht erwarten, dass er sich zu jeder  Zeit unter Kontrolle hat, und ihn einfach wegzuschubsen, wäre unfair.

Doch Hochspringen sollte vom Menschen immer mit völligem Ignorieren bedacht werden. Ignorieren Sie den Welpen genau so lange, bis er mit allen Vieren auf dem Boden steht, sehen Sie ihn nicht an, sprechen Sie nicht an und fassen Sie ihn schon gar nicht an. Mit ein bisschen gutem Timing passen Sie einen Moment ab, in dem der Welpe alle Pfoten auf der Erde hat, und hocken sich dann zu ihm hinunter, um ihn freundlich zu begrüßen. So kann er lernen, dass das Hochspringen genau zu dem Gegenteil dessen führt, was er eigentlich damit beabsichtigt. 

Welpen sollten lernen, eine kurze Weile allein zu bleiben

Auch wenn es in den ersten Wochen das vorrangige Bestreben von Welpenbesitzern sein sollte, eine Bindung zwischen ihnen und Ihrem Hund entstehen zu lassen: Auch das Alleinebleiben sollte von anfang an geübt werden, damit der Hund auch später ruhig und gelassen auf die Heimkehr seiner Familie warten kann. Natürlich sollte niemand seinen Welpen mehrere Stunden zuhause zurück lassen - das würde ihm seelisch beträchtlichen Schaden zufügen.

Beginnen Sie damit, einfach mal kurz die Türe zum Nebenzimmer hinter sich zu schließen oder die Türe des Raumes, in dem der Welpe gerade liegt. Erst sollten Sie nur wenige Sekunden weg bleiben, später können Sie einen kurzen Trip in die Waschküche, den Voratskeller oder zum Postkasten unternehmen. Weint der Welpe, achten Sie darauf, in einem Moment zurück zu kommen, in dem er gerade  ruhig ist - und wenn er nur gerade Luft holt. Trösten Sie ihn nicht, sondern erwecken Sie den Eindruck, dass es etwas völlig Normales ist, dass so ein Mensch ab und zu mal weggeht und dann wiederkommt.

Auch große Begrüßungs- oder Abschiedszeremonien würden dem Welpen nur zeigen, dass hier  gerade etwas Enormes, sehr Bedeutendes vor sich geht - bleiben Sie lieber ruhig und gelassen. Die ersten Male sollten Sie allerdings sichergehen, dass Ihr Welpe auch bemerkt, dass Sie den Raum verlassen - schläft er gerade selig und bemerkt Ihr Weggehen nicht, könnte es ihn überfordern, wenn er aufwacht und Sie plötzlich nicht mehr da sind.

Welpentraining mit "Sitz" und "Platz"

Kommandos wie das "Aus" zum Loslassen eines Gegenstandes und auch grundsätzliche Dinge wie die Beißhemmng werden am Besten im Welpenspiel eingeübt. Viele Übungen lassen sich am Besten in mit einem kompetenten Trainer in einer geeigneten Welpengruppe durchführen, wo der Welpe auch direkt mit seinen Artgenossen und Dingen des Alltags sozialisiert wird. Doch die meiste Arbeit müssen Sie zu Hause leisten.

Die ersten Sitz- und Platzübungen können Sie in der Welpengruppe unter Ablenkung trainieren, aufgebaut werden muss das Kommando aber ohne Ablenkung zuhause. Die ersten kleinen Übungseinheiten sollten nie mehr als 2-5 Minuten andauern, denn länger kann sich ein Welpe kaum konzentrieren. Besser ist, im Alltag immer mal wieder ein Kommando zu üben und direkt darauf wieder zu spielen oder zu schmusen.

Üben Sie immer und überall, in der Wohnung und unterwegs, damit es etwas völlig Normales wird. Und erwarten Sie nicht zuviel von Ihrem Welpen. Selbst wenn er verstanden hat, was Sie von ihm wollen, braucht es viele, viele Wiederholungen, bis er das Gelernte zuverlässig zeigen kann. Bleiben Sie immer freundlich und geduldig. Zeigt Ihr Hund Stresssignale, ist das ein deutliches Zeichen von Überforderung.

Die ersten Sitz-Übungen werden am Besten mit der Leckerchen-Methode aufgebaut: Schwebt eine Leckerei über der Welpennase, wird sich der Welpe irgendwann hinsetzen, um sie besser im Auge behalten zu können. Tut er das nicht von alleine, kann das Leckerchen ein wenig höher gehalten werden, damit der Welpe den Kopf in den Nacken legen muss.

Niemals sollte der Welpe in solchen Übungen anfasst, geschoben, gedrückt oder sonstwie mit körperlicher Einwirkung beieinflusst werden, denn das ist nicht nur viel weniger wirksam, sondern kann auch einen großen Vertrauensverlust bedeuten. Sitzt der Welpe, wird er natürlich in höchsten Tönen gelobt und bekommt die Leckerei. Erst später wird das Hörzeichen "Sitz!" und das Handzeichen (erhobener Zeigefinger) eingeführt.

Welpen ein Auflösekommando geben

Praktisch ist es, beim Aufstehen des Hundes direkt das Kommando "Lauf!" oder "OK!" zu geben, so dass der Welpe bereits das Aufstehen mit der Freigabe verknüpfen kann. Dazu kann auch ein Leckerchen geworfen werfen. So kann der Junghund später in kleinen Schritten daran gewöhnt werden, immer länger im "Sitz" zu verharren und der erwachsene Hund schließlich weiß, dass "Sitz" bedeutet, so lange sitzen zu bleiben, bis der Mensch das Kommando wieder auflöst. Natürlich muss der Welpe noch nicht längere Zeit im "Sitz" ausharren - aber der Grundstein kann so bereits gelegt werden.

Das Auflösekommando sollte auch am Besten direkt beim "Platz!" Verwendung finden. Zu Beginn wird das Platz aus dem Sitz heraus gebildet: Dazu wird die Hand mit dem Leckerchen langsam auf den Boden und vom Welpen fort geführt, so dass er freiwillig mit den Vorderbeinen nach vorne rutschen wird, um an die Leckerei zu kommen. Auch hier wird später, zeitgleich mit der Bewegung, das Kommando eingeführt. Als Sichtzeichen wird die flache Hand auf den Boden genommen. Die Sichtzeichen sollten noch über längere Zeit zur Hilfestellung gegeben werden. Bis der Hund nur noch auf Hörzeichen reagiert, wird noch eine ganze Weile vergehen.

Welpen lernen viel, schnell und gerne - das Richtige und das Falsche. Welpenbesitzer sollten diese Zeit sinnvoll nutzen. Denken Sie aber immer daran: Sie haben ein verletztliches kleines Geschöpf vor sich, ein Kleinkind. Wie Sie es formen werden, liegt zu großen Teilen in Ihren Händen. Und einem wohlerzogenen Hund mit einer starken Bindung an seien Familie steht ein erfülltes Hundeleben mit vielen Freiheiten bevor, das vielen anderen Hunden nicht vergönnt ist. (je)

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