Welpen im Klosterhof - das Züchter-Interview

Züchterin Meike Carstensen im Interview

Endlich sind sie da! In der kleinen, feinen Zuchtstätte "vom Klosterhof" hat Jules Schwester Ruby ihre Welpen zur Welt gebracht und ist ihnen eine vorbildliche, liebevolle Mutter. Wir sprachen mit Meike Carstensen, Rubys Besitzerin, über Labradore, das Mutterglück und die große Verantwortung eines Züchters.

Stadthunde.com: Das erste Mal Welpen! Da ist man doch sicher sehr aufgeregt? Was überwiegt, die Sorge, dass etwas schief laufen könnte oder die Freude? Hat man Angst, Fehler zu machen, oder kann man sich optimal vorbereiten? Wie fühlt man sich als werdende zweibeinige Welpen-Eltern? Welche Vorbereitungen trifft man?

Natürlich waren wir fürchterlich aufgeregt. Doch vom Traum von der eigenen Zucht bis zu dessen Realisierung sind anderthalb Jahre vergangenen. Genügend Zeit, um sich einmal durch die Fachliteratur und zurück zu lesen und Löcher in die Bäuche vieler Züchter zu fragen. Zum Glück waren die alle sehr auskunftsbereit und haben sich gefreut, uns helfen zu können. Wir züchten in einem relativ kleinen Verband, in dem man sich untereinander kennt und unterstützt. Das hat uns sehr geholfen.
Ein bisschen Angst hatten wir trotzdem vor der Geburt. Aber wir hatten dabei einen erfahrenen Züchter an unserer Seite, der den ersten Welpen auf die Welt geholfen hat. Später stand er dann wie ein Fahrlehrer in der Fahrschule neben uns, als wir die anderen geholt haben. Wenn wir einen Fehler gemacht hätten, hätte er sofort eingegriffen.

Stadthunde.com: Sie sind erst relativ spät auf den Hund gekommen - wie kam es dann zu der Entscheidung, den großen Schritt von der Privathundehaltung zur Zuchtgründung zu wagen? Lag die Entscheidung eines Tages klar vor Ihnen, oder war es ein längerer Prozess?

Spät auf den Hund gekommen sind wir gar nicht. Wir sind beide mit Hunden aufgewachsen. Dass wir aber erst mit Mitte Dreißig einen eigenen Hund bekommen haben, lag daran, dass wir uns einig waren: Wer sich einen Hund anschafft, muss Platz und Zeit für ihn haben. Diese Voraussetzungen mussten wir erst schaffen.
Als Ruby dann endlich bei uns war, hat sie unser ganzes Leben umgekrempelt. Hätte uns vor drei Jahren jemand gesagt, dass wir einmal selbst züchten würden, hätten wir ihn ausgelacht. Aber Labradore haben nun mal ein fürchterlich hohes Suchtpotential. Es gab nicht den einen Tag, an dem wir beschlossen haben, "jetzt züchten wir." Wir haben mal ein bisschen mit dem Gedanken gespielt, uns erkundigt, wie man das eigentlich macht und irgendwann hat sich das Projekt Zucht verselbständigt. Und heute, zwei Jahre später, halten wir unsere Kleinen in den Händen und können es selbst noch gar nicht fassen, dass es sie wirklich gibt.

"Labradore sind echte Familienhunde"

Stadthunde.com: Sie haben sich sowohl als privater Hundefreund sowie als Züchter für den Labrador Retriever entschieden. Was macht diese Rasse in Ihren Augen so besonders? Welche Ansprüche stellt sie an ihre Menschen, was gibt sie ihren Menschen?

Labradore sind absolut umgänglich und sozialverträglich. Das war eine Grundvoraussetzung, weil bei uns ständig Freunde ein und aus gehen und wir den Hund mit zur Arbeit nehmen wollten.  Wer sich einen Labrador anschafft, bekommt ein Schwimmschwein, das in jede Pfütze springt, absolut verfressen ist und nur höchst ungern allein bleibt. Dafür kriegt er aber auch einen Hund, mit dem berühmten "will to please": Er tut alles, um seinen Menschen zu gefallen.
Wer einen Wachhund braucht, den er womöglich im Zwinger halten möchte, sollte sich unbedingt für eine andere Rasse entscheiden. Wer aber ein vierbeiniges Familienmitglied sucht, das mit ihm durch Dick und Dünn geht und dabei ziemlich menschliche Züge trägt, dem würde ich immer zu einem Labrador raten - es sei denn, er hat ein klinisch sauberes Zuhause und möchte das auch behalten.

Stadthunde.com: Stadthunde.com ist eine Plattform speziell für Hundehalter in der Stadt. Kann auch ein Labrador in der Stadt glücklich werden? Wie können auch Stadtmenschen einen Labrador artgerecht halten und auslasten?

Obwohl der Labrador ein großer Hund ist, kann er durchaus in der Stadt glücklich werden. Wir selbst beschäftigen unsere Hündin mit Dummyarbeit und Turnierhundsport. Labradore sind intelligente Hunde, die gern Kopfarbeit machen. Außerdem verabreden wir uns zum Spazierengehen möglichst oft mit anderen Hundebesitzern. Niemand kann einen Hund so gut auspowern wie ein anderer Hund. Wenn er eine Stunde richtig getobt hat, ist er auch gern wieder bereit, sich für ein paar Stunden zuhause in sein Körbchen zu legen. Es gibt in den Städten Hundevereine, die neben Welpenspiel-Stunden auch Junghundetraining, Dummyarbeit, THS und vieles mehr anbieten. Da kann man seinen Hund wunderbar fordern und fördern. Außerdem lernt man hier, ihn auszubilden. Ein guterzogener Hund ist auch in der Stadt gern gesehen.

"Auch Labradore brauchen eine konsequente Erziehung"

Stadthunde.com: Labrador Retriever sind Dauerbrenner, gelten als praktisch sich-selbst-erziehende Allrounder mit integrierter Endlos-Geduld gegenüber Kindern.  Rechnen Sie damit, bei Ihren Welpeninteressenten auf eine gewisse Naivität gegenüber dieser Rasse zu treffen?

Sicher-selbst-erziehend? Wer mit seinem Labrador die Rüpelphase und die Pubertät hinter sich gebracht hat, wird wissen, dass diese Rasse genauso konsequent erzogen werden muss, wie jede andere. Sicher sind unerfahrene Neuhundebesitzer ein bisschen naiv. Das waren wir auch mal. Aber so ein kleiner Welpe, der einem auf der Nase rumtanzt, holt einen schnell in die Realität zurück.

Stadthunde.com: Fast zeitgleich zu der Geburt Ihrer Welpen wird im Kino der Film "Marley & Ich" anlaufen, der vom Zusammenleben mit einem chaotischen Labrador handelt. Haben Sie das Buch gelesen? Werden Sie sich den Film anschauen, oder nehmen die Welpen Sie in den ersten Wochen zu sehr in Anspruch? Denken Sie, dass nach einem solchen Film mit einem Labrador-Boom zu rechnen ist, wie seinerzeit bei 101 Dalmatinern?

Das Buch haben wir nicht gelesen, werden aber trotz "Welpenstress" versuchen, den Film anzusehen. Ein bisschen Angst vor einem noch größeren Labrador-Boom haben wir schon. Leider ist diese Rasse in den letzten Jahren so sehr in Mode gekommen, dass es Massenvermehrer leicht haben, Welpen zu verkaufen.

"Züchter investieren sehr viel Arbeit"

Stadthunde.com: Für Welpeninteressenten stellt sich die grundsätzliche Frage: Woher bekomme ich meinen Welpen? Es gibt heutzutage viele Möglichkeiten: Das Tierheim, den Auslandstierschutz, private Hände oder eben eine Zuchtstätte.  Was sind die Vorteile eines Welpen aus einer Zuchtstätte wie Ihrer?

Das beginnt schon bei den Eltern, die beide kerngesund sind. Sie wurden geröngt, auf Genkrankheiten untersucht und vieles mehr. Außerdem haben sie ihren Charakter in einem Wesenstest bewiesen. Unsere Welpen sind also schon mit sehr guten Anlagen geboren worden. In den acht Wochen, die sie jetzt bei uns sind, werden sie sowohl von ihrer Mutter als auch von uns geprägt. Sie leben bei uns im Esszimmer und kriegen vom Geschirrspüler bis zum Staubsauger jedes Alltagsgeräusch mit. Wir bauen ihren Spieltrieb auf und besuchen mit ihnen einen Kindergarten. Alles, was sie in dieser Zeit kennen lernen, macht ihnen später keine Angst. Das ist natürlich viel Arbeit. Arbeit, die weder im Tierheim noch in einer Massenvermehrungsanlage geleistet werden kann. Aber wir finden, ist sie es wert, denn diese ersten acht Wochen prägen den Welpen für sein ganzes Leben.

Stadthunde.com: Gute Züchter erkennt man u. a. auch daran, dass Sie nicht jeden Welpenkäufer akzeptieren, sondern sich genau für die Kandidaten interessieren. Welche Fragen werden Sie Ihren Interessenten stellen? Was wäre für Sie ein Grund, einen Welpenkäufer generell oder den Kauf eines bestimmten Welpen abzulehnen?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Sympathie spielt natürlich eine ganz große Rolle. Wir haben einige Interessenten, die seit Wochen den Kontakt zu uns halten und sich auf den Einzug ihres Welpen vorbereiten, indem sie uns mit Fragen bombardieren. Das sind natürlich unsere Favoriten. Absolut nicht infrage kommen für uns Interessenten, die ihren Hund stundenlang allein lassen müssen, weil sie arbeiten und ihn nicht mitnehmen können. Auch wer zuallererst die Frage nach dem Preis stellt, setzt vielleicht die falschen Prioritäten.

Hier geht es weiter: Welpen im Klosterhof -Züchter-Interview Teil 2

Infos zum Thema Zucht: Tierzucht auf Wikipedia

 

Weitere Artikel zum Thema: