Hundepsychologin Christine Holst - Expertenrat Teil 2

Welpen-Erziehung: Irrtümer über Strafe und Maßregelung

''Ein weiterer großer Irrtum ist die Anwendung des sogenannten „Alphawurfes“ als bestrafendes Element, um zu demonstrieren, wer der Boss ist. Ein Welpe wird diese unverhältnismäßige Aktion durch den Menschen nicht verstehen und völlig verunsichert sein. Was das Ignorieren und Wegsperren betrifft: Diese Art der Bestrafung stellt eine soziale Isolation dar und ist im Grunde tierschutzrelevant.

Vielleicht denken Sie nun: „Ja, aber - wir haben doch gelernt, das wir unerwünschtes Verhalten ignorieren sollen, und dass dies eine absolut artgerechte Methode sein soll.“ Wenn Ihr Welpe aufmerksamkeitsforderndes Verhalten zeigt, indem er Sie beispielsweise anbellt damit Sie endlich den Ball werfen, dann kann das Ignorieren im Sinne von sich Abwenden kurzfristig eine Lösung sein. Ein langfristiges Konfliktmanagement ist das Ignorieren jedoch meist nicht.

Welpenerziehung: Abbruchsignale und ein klares Regelwerk

Viele bauen auf die Erziehung durch ausschließlich positive Verstärkung. Da heißt es, jegliche Form von Abbruchsignalen zerstören das Vertrauensverhältnis und stressen den Hund. Ich halte es da mehr mit meinem gesunden Menschenverstand – die antiautoritäre Erziehung war ja auch nicht der Bringer – und lerne lieber von freilebenden Wölfen und Hundeeltern.

Die wissen sehr wohl die hemmungslosen Racker zurecht zu weisen und lassen sich nicht auf der Nase herum tanzen. Und die Welpen nehmen es nicht einmal übel, wie man deutlich beobachten kann.

Welpenerziehung: Was ist erwünscht, was unerwünscht?

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Welpen zeigen, was in Ihrem Zusammenleben erwünscht ist - und was eben nicht. Dies gilt auch für das Regelwerk, welches ein akzeptiertes und gefahrenfreies Zusammenleben in unserer Gesellschaft ermöglicht.

Das heißt, Sie persönlich entscheiden beispielsweise ob ihr Hund im Bett schläft oder mit Ihnen auf dem Sofa kuschelt (vorausgesetzt es liegen keine diesbezüglichen Ressourcen Aggressionen vor).

Ein Hochspringen an Fremdpersonen beispielsweise sollte jedoch immer ein Tabu sein. Auch wenn es beim Welpen vielleicht noch niedlich erscheint. Vom stürmischen Junghund möchte dann sicher niemand mehr bedrängt werden.


Ich wünsche Ihnen und Ihrem Vierbeiner eine wunderschöne Welpenzeit,

Ihre Christine Holst''


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