Hundepsychologin Christine Holst - Expertenrat

Welpen-Erziehung: Strafe oder Verhaltenskorrektur?

Welpen machen eine Menge Unsinn, wenn man sie läßt. Schließlich müssen sie erst noch lernen, welches Verhalten von uns Menschen erwünscht ist. Doch wie reagieren wir richtig, wenn unser Welpe etwas anstellt? Bestrafen? Maßregeln? Ignorieren? Hundepsychologin Christine Holst räumt auf mit Irrtümern und überholten Methoden und erklärt, wie Welpenbesitzer sich richtig verhalten.

"Den Welpen zu „bestrafen“ ist ein oft missverstandener Ansatz. Ich persönlich teile in der Begrifflichkeit u. a. die Auffassung von Thomas Baumann und benenne diesen Aspekt in der Hundeerziehung „Verhaltenskorrektur“. Denn der Begriff „Strafe“ impliziert vorsätzliches oder böswilliges Handeln des Welpen.

Dies wiederum kann einem Hund nicht unterstellt werden. Im Gegenteil: ganz gleich ob der Welpe etwas will was wir nicht wollen oder der Welpe aus unserer Sicht etwas falsch macht – aus Welpensicht sind alle Verhaltensweisen völlig normal. Beispielsweise das Hochspringen, das Bellen, das Knabbern an Gegenständen, das Buddeln im Garten u. v. m..

Es sind wir Menschen, die sich an diesem gezeigten „Fehl“-Verhalten stören. Von daher können wir meines Erachtens den Welpen nicht bestrafen. Wohl aber können wir dem Welpen zeigen, was für uns erwünscht oder unerwünscht ist - ihn also in seinem Verhalten korrigieren.

Welpenerziehung: Nackenschütteln, Alphawurf oder Wegsperren sind Tabu!

So sollten bitte auch Ratschläge zur Bestrafung wie: „Schlagen Sie ihren Hund immer nur mit der Leine oder der zusammengerollten Zeitung und nie mit der Hand“ (anonyme Bestrafung) oder „Packen Sie Ihren Welpen im Nackenfell und schütteln ihn ordentlich durch“ oder „Sperren Sie Ihren Welpen weg, denn er weiß genau was er falsch gemacht hat“ der Vergangenheit angehören! Gleiches gilt für das „Schimpfen“ oder „mit der Nase ins Pippi reinstecken“, sollte dem Welpen ein Malheur in der Wohnung passiert sein.

Also, den Welpen immer und sofort nach jedem Spielen, Schlafen, Fressen, Saufen rausbringen und für jedes große und kleine Geschäft loben, loben, loben! Sollte dann doch der Schlamassel drinnen passieren, dann waren Sie zu spät oder Ihr Hund ist vielleicht krank. D. h. bitte, bitte nicht mit Ihrem Hund schimpfen oder ein Abbruchsignal verwenden, sondern ruhig und gelassen bleiben und mit ihm hinaus aus gehen.

Aber noch fataler sind die oben zitierten Schläge. Schläge, egal in welcher Form, zerstören jegliche positive Basis des Zusammenlebens. Und gerade Welpen, die durch Schläge diszipliniert werden, sind mit angrenzender Wahrscheinlichkeit ein Hundeleben lang scheu und unsicher.

Das viel beschriebene Nackenschütteln (es kommt aus dem Funktionskreis des Beutefangverhaltens) bedeutet von uns angewandt für unsere Welpen: „Ich will dich töten!“ Wie groß dieser Vertrauensbruch ist, kann sich wohl jeder selbst vorstellen. Sollten Hundeeltern ihre Welpen im Nacken packen ist der Grund ganz einfach: sie tragen sie. Und sollten Sie Welpen beobachten, die sich gegenseitig im Nacken packen und Schütteln, dann erproben diese gerade im Spiel das Beutefangverhalten."

 

Immer wieder hört man in der Hunde-Erziehung auch vom „Alphawurf“ oder davon, Fehlverhalten schlichtweg zu ignorieren. Was davon zu halten ist, lest Ihr hier:

"Welpenerziehung: Strafe oder Verhaltenskorrektur Teil 2"

 

 

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