Hunde-Sozialisierung und Sensibilitätsphasen

Hundeentwicklung nach der Geburt

Das Leben als Welpe ist sensationell aufregend und anstrengend! Um die kleinen, rätselhaften Geschöpfe verstehen zu können und ihnen einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen, ist es wichtig, die verschiedenen Phasen der Welpenentwicklung zu kennen. Wir begleiten den Welpen Arnold auf dem Weg ins Erwachsenenleben!

Hundewelpen bis zur 2. Woche: Vegetative Phase

Arnold hat noch keinen rechten Sinn für seine Umwelt – sowohl seine Augen als auch seine Ohren sind noch nicht geöffnet. Riechen kann er bereits, aber seine geruchlichen Fähigkeiten sind noch sehr bescheiden. Sein Leben besteht aus Schlafen und Trinken und wird wohl nie wieder so unkompliziert werden. Trotzdem kann er bereits jetzt mit ersten Reizen konfrontiert werden – sanfte Musik oder leichte motorische Übungen sollen die Entwicklung des Gehirns schon frühzeitig fördern können.

Hundewelpen bis zur 3. Woche: Übergangsphase

Es werde Licht! Arnolds Augen öffnen sich langsam – mann, ist das hell draußen! Aber richtig erkennen kann er anfangs noch nichts – die Sehfähigkeit entwickelt sich erst ab dem 17. Lebenstag, ebenso wie seine Hörfähigkeit. Aber mit dem Faulenzen ist es jetzt vorbei – die Wurfkiste muss schließlich erkundet werden.

Hundewelpen in der 4. bis 7. Woche: Prägungsphase

Arnold kann jetzt sehen und hören wie ein Großer! Jetzt ist genau die richtige Zeit, um die Welt zu entdecken. Was er jetzt lernt, wird er nicht nur sein ganzes Leben lang nicht vergessen, sondern wird auch seine Persönlichkeit und sein Temperament prägen. Er probiert seinen sozialen Rang im Spiel mit den Geschwistern aus und lernt sich selbst und seine Sozialpartner kennen.

Würde er in dieser Phase abgeschottet und isoliert von seiner Umwelt gehalten werden, würde er das nie wieder aufholen können und eventuell sein ganzes Leben lang unter den Folgen leiden. Welpeninteressenten können Arnold jetzt genau unter  die Lupe nehmen, um zu sehen, ob der kleine Kerl zu ihnen passt.

Hundewelpen in der 8. bis 12 Woche: Sozialisierungsphase

Was kostet die Welt? Arnold ist sich völlig bewusst darüber, dass er ein großer Entdecker ist, ein Held in einem spannenden Abenteuer! In dieser Phase sollte er seine Siebensachen packen und zu seinen neuen Besitzern ziehen. Er schäumt über vor Neugier – es gibt im neuen Zuhause ja so viele Dinge zu entdecken!

Aber manchmal ist er auch ein ganz schöner Hasenfuß.  Er hat sogar vor Dingen Angst, die er vorher völlig normal fand. Denn: In die Sozialisierungsphase fällt auch die sogenannte Angst- bzw. Sensibilitätsphase. Hier streiten sich die Gelehrten, wann genau sie anzusiedeln ist, Einfühlungsvermögen ist also gefragt.

In einer Angstphase sollte der Welpe natürlich nicht bemitleidet und damit in seiner Angst bestätigt werden, sondern Rücksicht und liebevolle Sicherheit von seinen Besitzern erfahren. In eine solche Sensibilitätsphase sollte der Besitzerwechsel möglichst nicht fallen. Verantwortungsvolle Züchter können genau sagen, ob ein Welpe derzeit in einer Angstphase ist, und den Welpeninteressenten bitten, noch ein wenig zu warten.

Für Welpenbesitzer ist gesamte Sozialisierungsphase ohnehin entscheidend: In diesen wenigen Wochen wird die Bindung am stärksten gefestigt, muss dem Herz zerreißend süßen Knilch aber auch bereits spielerisch der Ernst des Lebens gezeigt werden. In einem Hunderudel würde jetzt der Rüde die Erziehung übernehmen. Liebevolle Konsequenz zeigt Grenzen auf, kleine tägliche Ausflüge und eine gute Welpengruppe zeigen ihm die große weite Welt und bilden Vertrauen.

Macht Arnold in dieser Zeit schlechte Erfahrungen, kann es sein, dass sie ihn für sein gesamtes Hundeleben prägen. Damit aus ihm eine starke, souveräne Persönlichkeit wird, muss er viele positive Erfahrungen sammeln können, spielerisch lernen dürfen und behutsam und vertrauensvoll die Welt kennen lernen dürfen. Eine hohe Verantwortung für Arnolds Besitzer!

Hundewelpen in der 13. bis 16. Woche: Rangordnungsphase

Arnold will’s wissen! Sind seine Menschen wirklich so cool, wie sie immer tun? Wäre er, der Held, nicht eigentlich viel besser als Rudelführer geeignet? Seine spontanen Anwandlungen von jugendlichem Größenwahn sind völlig normal. Er will seine Menschen auf ihre Führungsqualitäten testen. Die sollten die Ruhe bewahren und liebevoll, aber konsequent auf die Einhaltung klarer Regeln bestehen. Dann weiß Arnold, wo er dran ist.

Bis zur 16. Woche ist Arnolds Lernfähigkeit am Besten ausgeprägt. Viele Welpengruppen entlassen ihre Hunde nach der 16. Woche in die Junghundegruppen, denn: Der Welpe ist jetzt kein Welpe mehr!

 

Wie sich der Junghund weiter entwickelt, lesen Sie hier: Junghunde-Entwicklung

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