Intelligenz bei Hunden - Teil 2

Ist Rico ein Genie oder nicht schlauer als Nachbars Bello?

 

Rico ist ohne Frage ein überdurchschnittlich motivierter Vierbeiner, der mittlerweile jede Menge Erfahrungen damit hat, dass Dinge einen Namen haben. Eine andere nicht zu vernachlässigende Tatsache ist, dass Border-Collies im Allgemeinen sehr lernwillig und leicht zu dressieren sind und deswegen auch sehr gerne als Rettungs- oder Schäferhunde eingesetzt werden. Eine Unterforderung kann bei dieser Rasse sogar zu aggressivem Verhalten führen.

 

Die Fähigkeit, die vom Menschen ausgesendeten, für ihn abstrakten Signale spezifischen Spielzeugen und anderen Gegenständen in seiner Umwelt zuzuordnen, ist jedoch keinesfalls dressiert.  Vielmehr wird von dem schlauen Vierbeiner eine Transferleistung erbracht, die die Wissenschaftler als einsichtiges Verhalten bezeichnen.

 

Auch das enorme Erinnerungsvermögen, welches der gewitzte Hund an den Tag legte, brachte den Wissenschaftlern neue Erkenntnisse. Die Gabe, Geräusche und Klänge richtig zu interpretieren, scheint sich demnach noch lange vor und unabhängig von der Fähigkeit entwickelt zu haben, selber Geräusche zu produzieren.

 

Bislang ist es noch unklar, ob diese Leistungen auch bei anderen Hunden zu finden sind. Ausgeschlossen ist es aber auf keinen Fall, denn die Forscher stellten die Vermutung auf, dass die hohe Intelligenz der Hunde - und vor allem ihr außergewöhnliches Sprachverständnis - damit zusammenhängen, dass die Vierbeiner seit mittlerweile 15.000 Jahren die engsten Begleiter des Menschen sind.

  

Vierbeiner imitieren ihre Artgenossen

 

In einer weiteren Studie untersuchten Verhaltensforscher aus Wien und Budapest die Auffassungsgabe von Hunden. Hierzu wurde eine Hündin darauf trainiert, mit der Pfote einen Stock zu bewegen, um an die vorher versteckten Leckerlis heranzukommen. Normalerweise würde ein Hund in diesem Fall seinem Instinkt folgen und sein Maul zum Öffnen des Behälters benutzen. Um diesen Drang zu unterdrücken wurde der Hündin im Training ein Ball ins Maul gegeben.

 

Das gesamte Training wurde von anderen Hunden beobachtet. Diese folgten ihrem Instinkt und benutzten während der gesamten Zeit ihr Maul zum Öffnen des Behälters und nicht die Pfote wie die Vorzeigehündin. Erst als der Hündin der Ball aus dem Maul entfernt wurde, versuchten die anderen Hunde auch die Öffnungsvariante mit der Pfote.

 

Dieses Verhalten klingt zunächst wenig sinnvoll, ist aber ein Zeichen von Intelligenz. Zunächst waren die Beobachterhunde von dem Ball im Maul der Hündin irritiert und bevorzugten den für sie leichteren Weg. Als der Ball aus dem Spiel entfernt wurde und die Vorzeigehündin weiterhin ihre Pfote benutzte, versuchten es die Beobachterhunde auch. Da sie auf einmal einen triftigen Grund hinter dem Verhalten der Hündin sahen.

 

Hunde scheinen also  Artgenossen zu beobachten und anders als Kleinkinder selektiv auszuwählen, welches Verhalten sinnvoll für sie wäre. Und genau dieses ahmen sie dann nach und eignen sich an.

 

Herrchens Stimme in Bellos Ohren

 

Hunde sind in der Lage aus einer einzigen Sinneserfahrung komplexe Zusammenhänge zu erschließen. Dies fanden japanische Wissenschaftler im Rahmen einer Studie zum Erinnerungsvermögen unserer Vierbeiner heraus.

 

Hierzu wurden 28 Hunden verschiedene Stimmen auf dem Computer vorgespielt, darunter auch die ihres Herrchens. Gleichzeitig konnten die Hunde die zu den Stimmen gehörenden Gesichter auf dem Bildschirm betrachten. Während des Experimentes wurden allerdings Stimmen und Bilder der Menschen wild durcheinander gewürfelt. Die Forscher konnten beobachten wie die Hunde länger auf den Monitor starrten. Sie stutzten - und zwar immer dann, wenn die vorgespielte Stimme  nicht zu dem gezeigten Gesicht passte. War die Kombination richtig, schauten die Hunde nur kurz auf den Bildschirm und zeigten kein weiteres Interesse.

 

Unsere Lieblinge scheinen also ein Bild ihres Zweibeiners im Kopf zu haben, an welches sie denken und welches sie dazu befähigt, gedankliche Schlüsse zu ziehen.

 

Bleibt zu erwähnen, dass viele Hundehalter von ihren Lieblingen fordern, dass sie intelligentes Verhalten an den Tag legen. Und nur allzu häufig müssen sie dann feststellen, dass ihre Vierbeiner klüger sind und sie so manches Mal an der Nase herumführen. Dies wiederum wollen die Zweibeiner nicht wahrnehmen. So erfanden sie die am wenigsten zutreffende Redewendung in Bezug auf unsere treuen Begleiter: Dummer Hund! (jt)

 

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Mehr zum Thema intelligente Hunde, Hunde mit Jobs und Hunde im Film finden Sie hier: Interview mit Kai Rottmann - Das Hundehotel 

 

Hier geht es zurück zum Erziehungs - Channel