Intelligenz bei Hunden

Unsere vierbeinigen Freunde sind schlaue Füchse

Manchmal sitzt unser Vierbeiner da, blickt uns tief in die Augen und scheint jedes Wort zu verstehen. Er reagiert auf Gefühlszustände, freut sich, wenn wir uns freuen, und legt sein Köpfchen auf unseren Schoß, wenn es uns mal nicht so gut geht. Aber nicht nur diese enorme Sensibilität macht Hunde zu etwas ganz Besonderem - in wissenschaftlichen Studien hat man nun herausgefunden, dass Hunde einen größeren Wortschatz haben als trainierte Affen und auch sonst ein hohes Maß an Intelligenz zeigen.

 

Fängt man erst einmal an zu suchen,  findet man jede Menge Begriffsdefinitionen zur Intelligenz. Fakt ist, dass Intelligenz eine zusammengesetzte Eigenschaft ist. Sie enthält die Bausteine der genetischen Veranlagung, der psychischen Wahrnehmung und der Lernfähigkeit. Kurz: Es handelt sich um die Fähigkeit, individuelles Verhalten aufgrund von Erfahrungen anzupassen.

 

Tierische Intelligenz

 

Der angeborene Teil der Intelligenz kann jedoch noch so ausgeprägt sein,  ohne die richtige Förderung kann er nicht zum Ausdruck kommen. Genau so ist es auch bei den Tieren: Sie lernen in jungen Jahren, ähnlich wie der Mensch, hauptsächlich nach den Prinzipien des Nachahmens von beobachteten Verhaltensweisen und Try and Error-Versuchen. Anscheinend wissen auch unsere vierbeinigen Freunde, dass man aus Fehlern schlau wird.

 

Die tierische Intelligenz wird am einsichtigen Verhalten gemessen. Die nächsten Verwandten des Menschen, die putzigen Schimpansen, gelten auf Grund der Tatsache als intelligent, dass sie Gegenstände zu ihrem Nutzen einsetzen. Eines der  bekanntesten Beispiele hierfür ist die Verwendung eines Stockes als Werkzeug, um den in den Baumlöchern versteckten Honig und andere Insekten zu fischen.

 

Zu den absoluten „Strebern“ unter den Tieren gehören allerdings die Kolkraben, sie holen die von Fischern ausgelegten Angelleinen wieder ein, um den frischen Fang alleine zu verputzen.

  

Hunde – die Schlaumeier unter den Tieren

 

Die besonderen Fähigkeiten von Hunden waren schon vor langer Zeit der Grund dafür, dass er noch vor der Ziege, dem Rind oder Katze zum ersten vierbeinigen Gefährten des Menschen wurde. Und nicht umsonst überschütteten die alten Franzosen die haarigen Gesellen mit Komplimenten wie diesen: Das Beste am Menschen ist der Hund - und der Hund ist das klügste Tier, das Gott je geschaffen hat. Auch die alten Perser wurden schnell vom fuchsigen Vierbeiner in ihren Bann gezogen und schrieben, dass die Welt nur durch die Intelligenz des Hundes Bestand hätte.

 

Die Intelligenz der Hunde basiert, wie bei anderen Tieren auch, auf der Begabung ihre Artgenossen nachzuahmen. Bisher galt diese Fähigkeit, die Absichten und Ziele von anderen zu verstehen, als Merkmal der menschlichen Intelligenz. Auch die schnelle Anpassungsfähigkeit des Hundes ist ein Zeichen für eine hohe Intelligenz. Ein an den Zweibeiner gewöhnter Vierbeiner, der sich ohne sein Herrchen draußen und in ungewohnten Situationen schnell zurechtfindet, kann zu den hochintelligenten Vertretern gezählt werden.


 
Aufgrund all dieser Erkenntnisse wurde der älteste Weggefährte des Menschen nun zu einem interessanten Forschungsobjekt auf dem Gebiet der Verhaltensbiologie.

 

 

Rico ist mit allen Wassern gewaschen

 

Rico hat sich in den drei Jahren, die er als „Versuchshund“ am Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig verbracht hat, zum absoluten Hahn im Korb gemausert. Der Boarder-Collie ist durch seine erstaunliche Fähigkeit, aus einem Haufen ähnlich aussehender Kuscheltiere immer das gefragte herauszusuchen, in die Medien geraten. Mit dieser bühnenreifen Begabung wurde er sogar auf den Thron des Wettkönigs bei „Wetten, dass…“ gewählt.

 

Rico verfügt über ein Vokabular von rund 200 Begriffen, die er bestimmten Gegenständen zuordnen kann. Mit diesem Wortschatz kann er sich mit sprachtrainierten Affen, Delfinen oder Papageien auf eine Stufe stellen.  Die Forscher des Max Planck Instituts setzten sich das Ziel, Ricos Lernmethode zu durchblicken und mit der von Kleinkindern zu vergleichen.


Hierzu verteilten sie zunächst die 200 bekannten Spielzeuge zu je zehn Stück in verschiedenen Räumen und forderten Rico danach auf, eine Reihe dieser Gegenstände zu finden und dem Forscherteam zu bringen. Die Erfolgsquote lag bei 37 von 40 richtig zugeordneten Spielzeugen. Für das Team stand fest, dass es sich hier um keinen Zufall handeln konnte und Rico die Namen der Gegenstände tatsächlich kannte.

 

 

Der schlaue Boarder-Collie bedient sich menschlicher Lernmethoden


Kleinkinder lernen die meisten Dinge, indem sie indirekt erschließen, was von ihnen gefordert wird oder wozu Dinge gut sind, die sie täglich in ihrer Umwelt entdecken. So kann man Kindern beispielsweise einen roten und einen grünen Ball anbieten und sie um den „chromfarbenen“ Ball bitten. Nach dem Ausschlussverfahren würden sie den grünen Ball bringen, ohne den Begriff „chromfarben“ je gehört zu haben. Dieser Prozess des schnellen Zuordnens wird als „fast mapping“ bezeichnet. Auf diese Weise erweitern Kleinkinder ihr Vokabular fast täglich.

 

Nun wollten die Wissenschaftler testen, ob der schlaue Boarder-Collie auch zum so genannten „fast mapping“ in der Lage ist. Hierzu legten sie zu sieben bekannten Spielzeugen ein Neues unbekanntes und forderten: „Rico! Wo ist der „xyz“?“. Das Team wiederholte dieses Experiment mit insgesamt zehn neuen Spielzeugen. Doch der gerissene Boarder-Collie ließ sich von der neuen Situation nicht beirren und holte in 70% der Fälle den richtigen Gegenstand.

 

Bisher wurde angenommen, dass diese Lernmethode nur vom Menschen angewendet wird, da sie eng mit der Sprache verknüpft ist. Ricos Experimente stellten diese Theorie in Frage. Nun scheint der Mensch nur eines unter anderen Tieren zu sein, welches diese Methode anwendet.

 

In einem weiteren Durchlauf wollten die Forscher des Max Planck Instituts herausfinden, ob Rico sich die neu eingeführten Begriffe und die dazugehörigen Spielzeuge gemerkt hatte. Und auch in diesem Fall konnte der intelligente Border-Collie mir einer Erfolgsquote von 50 % überzeugen. Und diese ist vergleichbar mit der dreijähriger Kinder.

 

Das Max Planck Institut hat nach drei Jahren intensiver Forschungsarbeit mit Border-Collie Rico wissenschaftlich bewiesen, dass Hunde die menschliche Sprache erstaunlich gut verstehen und Fähigkeiten zeigen, die bisher nur  bei Kleinkindern erwartet wurden.

 

Hier geht es zum zweiten Teil von Intelligenz bei Hunden

 

 

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