Früh übt sich...

Das erste Jahr zählt

Dabei wird im ersten Lebensjahr das Wesentliche für immer gelernt. Wir sollten also unbedingt darauf achten, dem Hund in dieser Zeit ein Spielprogramm zu bieten, das ihm möglichst viele Erfahrungen in der Menschen- und Hundewelt ermöglicht.

Deshalb sollten Welpen

 

  • - alleine spielen/ neugierig die Welt erkunden dürfen
  • - mit uns spielen
  • - mit anderen Welpen/ Hunden spielen
  • - mit Objekten spielen (alleine/ mit uns/ mit anderen Welpen und Hunden)

 

Verhaltensstörungen, z.B. Stereotypien, durch falsches Spielen

 

Leider spielen Menschen mit ihren Hunden oft und schon viel zu früh ausschließlich rein jagdlich motivierte Objektspiele - vorzugsweise mit dem Ball. „Daraus können sich beim ausgewachsenen Hund dann stereotype Verhaltensmuster entwickeln“, so Grewe. Wie der Border Collie, der in Fixierstarre verfällt, sobald Frauchen den Ball nicht mehr wirft. Oder irgendwann damit anfängt, seine Atemluft zu jagen. Oder der Terrier, der für nichts in seiner Umwelt mehr Interesse hat als den Ball in Herrchens Hand. Oder der Malinoi, der alles, was sich schnell bewegt fangen muss - mit manchmal fatalen Folgen.

 

Ein trauriges Bild, das sich hier oft bietet. Schuld ist die Einseitigkeit von Spielkriterien, so Michael Grewe, denn: „Durch die monotone Fixierung wird der Hund süchtig gemacht, nur das immer gleiche Spiel, die Abspulung von festen Bewegungsabläufen bringt ihm irgendwann noch Befriedigung.“ Tatsächlich handelt es sich hier um ein Suchtverhalten: Das Tier verfällt in eine Art Rauschzustand, da beim Hetzspiel mit dem Ball – ähnlich wie bei der Jagd - im Gehirn opiatähnliche Botenstoffe ausgeschüttet werden. Dadurch kommt es zu einer immer stärker werdenden Fixierung auf das Spielobjekt und die Ausprägung von einseitigen stereotypen Bewegungsmustern bis hin zur Verhaltensstörung.

 

Kriterien von Spiel

 

Wie aber spielt man richtig mit seinem Hund? „Indem man ganz am Anfang bei den meisten Hunderassen den Ball einfach weglässt und sich auf das verlässt, was man selber hat: Seine Hände, seinen Körper, seine Intuition, die Freude am direkten Spiel mit dem Hund“ empfiehl Michael Grewe.

 

Um Stereotypen und einseitige Fixierungen zu vermeiden, sollten sich Halter deshalb bei jeder Art von Spiel mit dem Welpen -  und später der Beschäftigung mit dem erwachsenen Hund -  immer kritisch hinterfragen, ob folgende Kriterien von Spiel noch gegeben sind:

 

  • - Förderung der Kreativität. Ein Welpe, der viel und abwechslungsreich spielen durfte, zeigt später ein ausgeprägteres Problemlöseverhalten!
  • - Abwechslung. Das Anbieten verschiedener (nicht einseitiger!) Motive und Bewegungsformen, wie: jagen; gejagt werden; Unterwerfung; gewinnen; verlieren; anschleichen; bringen; klauen; locken; weglaufen – alles muss dabei sein! 
  • - Spielfreude. Achten Sie auf den Blick: Wird er „gierig“ zeigt (könnte sich zeigen!) sich das erste Anzeichen für ein Suchtverhalten. Denken Sie sich etwas anderes aus!
  • - Entspanntes Feld.  Denn nur wo Hunde sich wohl fühlen, wird gespielt.
    - Viel Spaß. Spielen ist immer zweckfrei: Rein aus Freude am Spiel wird gespielt (auch wenn dabei in Wirklichkeit enorm Wichtiges gelernt wird)!
  • - Schulung: Unterstützung der motorischen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten.
  • - Bindung! Wer spielt, hat Spaß miteinander, man lernt sich gut kennen – das Vertrauen wächst.

 

Beobachtet man Menschen mit ihren Hunden beim Spiel, lassen sich oft viele dieser Kriterien vermissen: Das Spiel wirkt monoton, einseitige Bewegungsläufe werden abgespult, der Hund hat einen „irren“ Blick und verliert das Interesse an seiner Umwelt. Aus Spaß wird Gier - weil durch das unsachgemäßes Spielen der Hund gepuscht wird – „ein oft würdeloser Anblick“, findet Michael Grewe.
Besser: „Wir sollten viel körperlich mit unserem Hund toben, denn das ist die beste Basis für eine gute Kommunikation. Dabei können wir Rollen wechseln, können mal Jäger, mal Gejagter sein, zum Beispiel in dem wir im Zerrspiel mal gewinnen, mal gewinnen lassen - in diesem spontanen Wechsel kann man fantastisch soziale Auseinandersetzungen und Wechselwirkungen üben.“
Dabei sollte darauf geachtet werden, dass immer rassetypisch gespielt wird– so können wir erwünschte Eigenschaften fördern, unerwünschte nicht weiter hervorheben oder sogar im Spiel abmildern.

 

Hier geht es weiter: ..., was ein Großer werden will. 

 

 

Die 3 Teile des Spiele-Vortrags:

 

1.Teil: Ballaballa? Plemplem? Gaga? Irre?

2.Teil: Früh übt sich...

3.Teil: ..., was ein Großer werden will.

 

Mehr Infos zum Thema: Hundebeschäftigung auf tiere.t-online.de

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