Mehr Bewegungsfreiheit

Vier Extratipps für Hund und Halter

Das ist der Traum eines jeden Hundehalters: Gemeinsam mit dem Hund entspannt spazieren gehen. . . Damit das in der Realität auch wirklich klappt, ist zweierlei wichtig: 1. Eine gute Grunderziehung und 2. ein paar nützliche Tricks, mit denen wir unseren Hund ohne Probleme von fremden Menschen, angeleinten Hunden und aus jedem Unterholz fernhalten können:

1. Voraus!

Hunde sind überdurchschnittlich begabt, uns zu beobachten: Sie analysieren ständig unser Verhalten und lernen dabei viel über unsere körperlichen Möglichkeiten. So wissen schon Welpen ganz genau, wann wir aufmerksam sind und was sich gänzlich unserer Wahrnehmung entzieht. Sie durchschauen erstaunlich schnell, dass unser Sichtfeld ziemlich eingeschränkt ist (im Gegensatz zum Hunde-Sicht- und Hörfeld!), dass wir also zum Beispiel alles, was hinter uns passiert – wenn überhaupt! - nur stark zeitverzögert wahrnehmen können.

Viele Hunde reagieren darauf mit beeindruckender Intelligenz: Sie bevorzugen es, beim Spaziergang hinter uns zu bleiben! Daraus ergeben sich viele Vorteile: Sie sehen den Hasen/den Grill im Park lange vor uns und können ungestört ihrer Wege gehen. Und mit besonders viel Glück können sie sich unbemerkt in aller Ruhe in herrlich stinkendem Aas wälzen. Wer solcherlei Verhalten vorbeugen möchte, dem bleibt nur eines übrig: Den Hund voraus schicken!

Der Vorteil ist eindeutig: Hier haben wir ihn immer im Blick und können schneller reagieren.

Ab heute wird also kein Zurückbleiben mehr geduldet - es sein denn, wir bleiben selber stehen und behalten ihn im Blick. Sobald der Hund sowieso gerade an einem vorbei läuft, ermuntert man ihn zusätzlich mit dem neuen Wort: Voraus! Er wird am Anfang natürlich nicht verstehen, was das bedeuten soll. Doch von nun an verwendet man den Begriff jedes Mal in dieser Situation, untermalt sein Anliegen noch, indem man nach vorne zeigt und ihn ruhig mit der Stimme lobt, sobald er sich vor einen bewegt hat. Lässt er sich wieder zurückfallen, schickt man ihn mit "Voraus!" voraus. So kann man verdeutlichen, was man will: Einfach hinter ihn gehen und zum Vorlaufen animieren, während man das Wort wiederholt. Der Hund wird schnell verstehen, was das alles bedeuten soll und schon bald richtig darauf reagieren.

2. An die Seite!

Es gibt nur wenige Gebiete, in denen wir stundenlang auf keine Menschenseele treffen -  das Bedürfnis nach Ruhe und Natur eint uns scheinbar mit vielen anderen Mitmenschen! Das sollten wir achten und uns rücksichtsvoll benehmen. Zum Beispiel, indem wir unseren Hund beibringen, aus dem Weg, "an die Seite!" zu gehen.

Das ist auch sinnvoll, wenn wir uns mit ihm entlang von Landstraßen, Fahrradwegen etc. bewegen: Manchmal rasen Autos und Radfahrer plötzlich und schnell herbei, da ist es wichtig, dass der Hund die ganze Zeit an der richtigen Seite voraus läuft um genau dort im Ernstfall schnell ins "Sit!" gerufen werden zu können. Dieses Signal lernen Hunde „nebenbei“: Man sollte von nun an bei jedem Spaziergang immer mal wieder die Aufforderung "an die Seite!" wiederholen. Dabei deutet man an den Wegrand neben sich. Am Anfang wird unser Begleiter zu uns kommen – das ist vom Ansatz her schon mal richtig, also loben wir ihn und zeigen noch mal genau an die Stelle, wo wir ihn hinhaben wollen.

Nach und nach wird er begreifen, dass er nicht bis zu uns kommen muss, sondern wir schon zufrieden sind, wenn er bei diesen Worten vor uns an den Seitenstreifen wechselt. Auf diese Weise wird er beim Vorweglaufen – irgendwann sogar ohne sich umzusehen! – auf Zuruf an die Seite wechseln.

3. Rüber!

Manchmal riecht genau am anderen Wegrand etwas besonders verführerisch. Jeder normale Hund wird diesem Geruch nachgehen wollen – und wechselt die Straßenseite. Das sollte man aus Sicherheitsgründen an Landstraßen oder auf viel benutzten Spazierwegen nicht zulassen! Deshalb nehmen wir hier ein weiteres Wort zu Hilfe, dass auf die Lektion "An die Seite!" aufbaut:
Dabei ruft man ihn sofort mit "An die Seite! - Rüber!" wieder auf die richtige Seite zurück!

Am Anfang sagt man noch jedes Mal als erstes "An die Seite!", betont aber das "Rüber!" und untermalt sein Anliegen mit einer eindeutigen Handgeste. Nach ein paar Tagen kann man "An die Seite!" weglassen – und der Hund wechselt auf "Rüber!" automatisch die Straßenseite.

4. Rrrrrrraus da!

Abseits von Wegen beginnt meist das Dickicht mit seinen großen Abenteuern: Da gibt es Kaninchenlöcher, im Laub raschelnde Mäuse, streng riechende Fuchsbauten und... abgelegte Rehkitze. Umsichtige Hunde- und Naturfreunde wissen das und lassen ihre Lieblinge nicht abseits von Wegen durchs Unterholz jagen – ganz abgesehen davon, dass das nicht nur in der Schon- und Setzzeit, sondern sogar ganzjährig verboten ist.

Ein fantastisches Mittel, Hunde aus dem Dickicht rauszuholen: Man bringt ihm bei, was "Raus da!" bedeutet. Dafür sagt man, sobald er ins Unterholz verschwinden möchte: "Raus da!". Der Hund wird natürlich erst mal nicht verstehen, was das nun wieder bedeuten soll. Aber weil er grundsätzlich ein gutmütiger Kerl ist, wird er aus dem Unterholz heraus- und zu uns gelaufen kommen. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung: Dafür loben wir ihn und schicken ihn wieder voraus. Sobald er wieder Anstalten macht im Dickicht unterzutauchen, wiederholen wir unser neues Signal, indem wir das „r“ übertrieben lange vor dem eigentlichen Wort herrollen lassen: "Rrrrrrrrrrrrrraus da!" wird der Hund sofort als neues, eindrückliches Wort wahrnehmen und bald mit der entsprechenden Situation verknüpfen lernen.

Wir wollen aber nicht unbedingt, dass er jedes Mal bis zu uns gelaufen kommt – er soll ja trotzdem noch seinen Spaß haben. Wir loben ihn also immer, sobald er wieder auf dem Weg steht – und schon bald weiß unser schlauer Hund, was wir damit meinen: Er kommt zurück auf den Weg, braucht aber nicht bis zu uns zu kommen.

Hund und Halter - Ein tolles Team

Führt ein Hund diese vier Lektionen sicher aus, hat man viel gewonnen: Nicht nur, dass man damit andere Spaziergänger beeindrucken kann und etwas vom Licht dieser schönen Erscheinung auf seinen Halter und alle anderen Hunde abstrahlen wird. Auch man selber wird noch viel mehr Freude an seinem tollen Hund haben: Weil er schon so viel versteht und sicher richtig auf einen reagiert – so ist man mit etwas Training ein unschlagbar tolles Team geworden!

 

Autorin: Kate Kitchenham, Wissenschaftsjournalistin, www.kitchenham.de

 

Mehr Infos zum Thema: Gassigehen mit Hund auf br-online.de

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