Was für ein seltenes Beispiel englisch-französischer Zusammenarbeit! Nein, die Rede ist hier nicht vom Eurotunnel, Thema ist der Basset Hound. Der tapsige Hund mit der Supernase soll ein direkter Nachfahre der französischen Rasse „Basset d’Artois“ sein. Ende des 19. Jahrhunderts kam dann der Engländer Lord Galway ins Spiel und brachte zwei Exemplare mit nach Hause. Diese Ur-Eltern aller heutigen Basset Hounds brachten es auf eine stolze Anzahl eigener Nachkommen, welche wiederum mit Zukäufen vom Kontinent zusammengebracht wurden, um die rasch explodierende Nachfrage an Bassets zu befriedigen. Jagdfreunde hatte dabei vor allem Freude an seinem ausgezeichneten Spür- und Orientierungssinn, während sich andere ganz einfach in seine drollige Art verliebten oder dem irgendwie traurigen Blick des Niederläufigen verfielen. Was es auch war, jedenfalls lagen ihm die Briten schnell zu Füßen und so zählte man zum Jahrhundertwechsel annährend 3000 Exemplare auf der Insel. Und dennoch wäre es beinahe dazu gekommen, dass aus dem aktiven Meutejagdhund ein schnödes Begleit- und Couchtier geworden wäre: Kurzzeitig wurde aufgrund amerikanischer Vorlieben die Jagdausrichtung aus seinem Rassestandard gestrichen – ein aus heutiger Sicht unverständlicher Vorgang, der zum Glück relativ schnell rückgängig gemacht wurde. So haben alle was sie wollen: England und Frankreich ein tolles Gemeinschaftsprojekt, die Amerikaner einen Schoßhund mit Jagdtrieb und der Rest der Welt eine Hunderasse zum Verlieben.
Im Grunde braucht der Basset nur drei Dinge: Ein Waldstück, ein Kaninchen und eine freie Nase – schon legt er los und lässt dank seines Dickkopfes erst von der Beute ab, wenn sie gestellt ist. Zugegeben: Der Schnellste ist der kleine Tapser nicht. Dafür helfen ihm Ausdauer und die erwähnte Powernase bei der Hatz auf Kleinwild, und sein ausgeprägter Orientierungssinn macht seine Performance zur puren Leistungsschau. Wer seinen Hund lieber von Jagdveranstaltungen fernhält, sollte sich also andere spannende Aufgaben für die Intelligenzbestie überlegen, sonst kann auch die beste und konsequentste Erziehung nicht verhindern, dass sich beim Basset Hound Eigensinn und Betrübnis einschleichen. Schwermütig ist der Junge übrigens nicht, auch wenn sein Blick zunächst darauf schließen lässt. Sein Wesen ist von Natur aus sonnig, er liebt seine Menschen und deren Nähe und kommt dank seiner Engelsgeduld auch hervorragend mit Kindern aus. Sogar Katzen lassen den Hund kalt, vielmehr sieht er in ihnen sogar Spielkameraden. Letzteres gilt leider auch für Eindringlinge der feindlichen Art, und so sollte man sich nicht auf seine Wachdienste verlassen. Sein zunächst bedrohliches Bellen allein wird hartnäckige Diebe jedenfalls nicht verscheuchen.
Der Kurzbeinige hat übrigens einen gesunden Hunger und neigt leider zu unschönem Schlingen. Zu feierlichen Anlässen sollte man ihn also fern der Tafel speisen lassen. Auch sein sonstiges Benehmen ist nichts für Zartbesaitete: Neben der erwähnten dunklen Bellstimme, die er zudem noch etwas zu häufig erklingen lässt, ist der Basset leider auch ein Schnarcher. Dafür macht seine Fellpflege wenig Arbeit – regelmäßig kurz durchbürsten und schon wirft der Hund ein gutes Licht auf Herrchen oder Frauchen.
Dank seiner geringen Größe: Gut. Beachten sollte man allerdings, dass er nicht zu viele Treppen zu steigen hat. Dies schadet seinen Gelenken, und wenn man dem Basset schon kein Haus mit Garten bieten kann, sollte man doch wenigstens seine Gesundheit schonen. Dass der kleine Jäger kein Schoßhund ist, haben wir ja bereits erfahren. Verzichtet man dennoch schändlicherweise auf lange Spaziergänge, sollte man dafür sorgen, dass die Grundstückseingrenzung auch hält, was sie verspricht. Ein Basset in Jagdlaune ist nämlich nur schwer zu bremsen, und auch wenn er nach jedem Ausbruch stets reumütig heimkehrt, sollte man diesem Treiben durch viel Bewegung und freien Auslauf entgegenwirken.
Name Basset Hound (Basset)
Herkunft Frankreich
Patronat Frankreich
Widerristhöhe Zwischen 33 und 38 cm
Gewicht Rüden 30 bis 35 kg, Hündinnen 25 bis 28 kg
Fellfarben Dreifarbig: schwarz, rotbraun und weiß; Seltener zweifarbig: gelblich braun und weiß
Besondere Merkmale - kurzes, eng anliegendes Fell
- lange Hängeohren
- trauriger Blick
FCI-Klassifikation - Gruppe 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen
- Sektion 1.3: Kleine Laufhunde
Durchschnittliche Lebenserwartung 12 Jahre