Zwischen Kiez und Weltreise - der Hund ist der Star

 

In einer Wohnung in der Davidstrasse im Hamburger Stadtteil St. Pauli lebte Gerrit vor einigen Jahren als Punk. Nic war schwanger. Gerrit lächelt noch heute: "Die Fruchtblase platzte, als im Fernsehen gerade die Oscar-Verleihung übertragen wurde. Einen tolleren Auftritt für die sechs Welpen hätte es nicht geben können."

 

Nic ist auch Weltenbummlerin. Gemeinsam mit Gerrit fuhr sie mit dem Multivan von Deutschland bis nach Südafrika. Dort unten am Kap waren die Reaktionen sehr unterschiedlich auf den weissen Hund, der aus der Kälte kam. Sie waren in Amerika. In verschiedenen europäischen Ländern sowieso. Und es ging nach Asien. Nic ist wahrscheinlich der einzige Husky, der zwei Monate in einem buddhistischen Kloster in Kambodscha unter Mönchen lebte. Als Gegenleistung für die Unterkunft machte Gerrit auf dem Klostergelände Führungen für Touristen.

 

Vom Abt des Klosters ließ er sich auch eine Tätowierung in den linken Unterarm stechen. Gerrit: "Der Abt fragte mich, woran ich am meisten glaube. Ich antwortete ihm: An die Liebe, Weisheit und den Tod." Auf dem Unterarm trägt Gerrit nun ein chinesisches Schriftsymbol und darunter einen Totenkopf. Acht Stunden dauerte die Tätowierungs-Prozedur.

 

Über die Schmerzen redet Gerrit nicht. Warum auch? Er hatte Darmkrebs. Er hat kaputte Rückenwirbel. Er wurde auf der Strasse schon einmal mit einer Pistole bedroht und an einem Hafen-Speicher mitten in der Nacht im Schlaf von mehreren Männern überfallen. Gerrit spricht offen aus, was andere sich nicht trauen. Und er hatte auch seine dunklen Momente. "Ich lag einmal auf den Schienen einer U-Bahnhaltestelle und wollte einfach nicht mehr. Nic sass oben am Bahnsteig und schaute mich an. Sie wusste überhaupt nicht, was los war. Sie vertraut mir ja." Der U-Bahnzug konnte gerade noch bremsen. Gerrit kam in Behandlung. Er lernte, stark zu werden. Und er spürte, wie gut es ist, nicht alleine zu sein. Gerrit blickt auf Nic, die sich gerade sonnt. Dann ein Bekenntis: "Sie ist der Grund, warum ich noch lebe."

 

Wohn-Träume eines Vierbeiners