Es begann mit einem Hunde-Blick in Kanada

 

Es war im März 1998, als die beiden sich trafen. An einer Straßenecke irgendwo in Toronto, Kanada. Gerrit  war abgebrannt, hatte nur noch ein Rückflug-Ticket nach Deutschland in der Tasche. Er stand jeden Tag an derselben Ecke und hoffte, dass am Ende des Tages irgendwie genug Münzen für ein Essen in seinem Becher gelandet waren. Dann traf er Nic.

 

 

Der winzige Welpe trottete seinen Geschwistern hinterher, die mit ihren Haltern täglich diese Runde gingen. Nic fiel Gerrit sofort auf, weil sie stets die Letzte im Rudel war. Und dann war da noch etwas, sagt er lächelnd: "Sie hatte einfach diesen Blick."

 

Gerrit nahm sich ein Herz und fragte die kanadischen Hundehalter, ob er Nic haben dürfe. Die Antwort: "Wenn Du morgen ein Halsband, eine Leine, Futter und Näpfe da hast, dann kriegst Du den Hund." Einige Tage später nahm Gerrit den Flieger nach Deutschland. Nicht ohne Nic. Die kleine Hündin war mit dabei. Die Reise ging zunächst von Toronto bis Chicago. Von dort einmal über den Atlantik über Frankfurt bis nach Hamburg. Auf dem langen Flug erweichte das weiße Welpen-Knäuel mit einem einzigen Blick die Herzen des Flugpersonals - und durfte vom Frachtraum in die wohlige Passagierkabine wechseln.

 

Seitdem sind beide unzertrennlich. Gerrit: "Nics Heimat ist dort, wo ich bin." Obdachlose Routiniers. Der Hündin reichen eine Decke oder Gerrits Pullover für das Zuhause-Gefühl. Die Strasse war ihre Kinderstube, immer wieder mit viel Spielraum und ist mittlerweile ein sehr vertrautes Wohnzimmer. Geschadet hat es nicht. Im Gegenteil. Das Mensch-Hund-Team ist perfekt aufeinander eingespielt, Da wird nicht gebrüllt, gezerrt oder gar geschlagen. Für Gerrit ist das ganz logisch: "Ich erziehe sie sehr konsequent und auch mal etwas härter. Aber immer auch mit Respekt und Liebe." Warum hört sein Husky so gut? Gerrits klare Antwort: "Ganz einfach. Der größte Fehler ist die Leine. Dadurch haben viele Tiere nie richtig lernen können, auch alleine klar zu kommen. Je früher man damit anfängt, desto leichter hat man es später. Das gilt für Hund und Mensch gleichermaßen. Die beste Leine ist eh eine imaginäre Leine."

 

Während wir ein Stück weiter gehen, läuft Nic gemächlich ein paar Meter vor. Stadt-Hund-Schnüffel-Tour. Sie registriert und speichert jedes Detail, auch wenn sie eher desinteressiert wirkt. Der Schein trügt. Nic ist nicht nur auffällig anpassungsfähig -  sie ist auch extrem eigenwillig. Gerrit läßt sie gewähren. Sie hat ihre Macken. Er hat seine. Nic bleibt stehen. Und hebt das Bein. Während ich staune, sagt Gerrit fast beiläufig: "Sie pinkelt immer im Stehen und hebt dabei das Bein. Hinsetzen wie andere Hündinnen ist bei ihr Fehlanzeige. Da ist sie einfach stur. Wenn sie zeigt, ich will nicht, dann will sie nicht."

 

Wir setzen uns auf eine der Treppen am Wasser. Die Hündin hat uns davor völlig entspannt den Weg durch ein paar Schwäne und Enten gebahnt, die diese Ecke für sich beanspruchten. Weder Schwanenfauchen oder wegflatternde Enten können einen Hund wie Nic ernsthaft aus der Ruhe bringen. Dafür hat sie viel zu viel erlebt.

 

Zwischen Kiez und Weltreise -  der Hund ist der Star