Noahs Stadt-Begegnungen

Ein Straßen-Leben mit dem faulsten Husky der Welt

Immer mehr Menschen leben auf Deutschlands Straßen. Obdachlos. Irgendwann und irgendwie durch das soziale Netz gerutscht. Der Alltag ist hart. Ruhe-Tage gibt es nicht. Wer alleine ist, der hat schnell verloren. Stadthunde.com traf Straßenzeitungs-Verkäufer Gerrit (32) und seine Hündin Nic (9).

 

Feierabendstimmung in der Hamburger Innenstadt. Nics eisblaue Augen wandern über den belebten Rathausmarkt, ihr cremeweisses Fell leuchtet in der Herbst-Sonne. Nic ist ein Hingucker, kennt ihre Wirkung. Da ist sie ganz Mädchen. Je mehr Beachtung man ihr schenkt, desto unbeeindruckter gibt sie sich. Wenn sich die Husky-Hündin auf ihrer Decke räkelt, zücken Touristen gerne mal die Kamera.

 

Gerrit mag das nicht sonderlich. Der kräftige Mann mit dem hellwachen Blick möchte nicht, dass man einfach ungeniert und vor allem ungefragt ihn und seine Hündin fotografiert. Geringschätzige Blicke oder respektlose Äußerungen kennt Gerrit. Als Obdachloser muss man das aushalten können, sagt er. Ob man will oder nicht. Aber es gibt immer eine Ausnahme. Abfällige Bemerkungen über seine Hündin lässt Gerrit nicht zu. Egal, von wem die Bemerkung kommt, sagt er: "Das ist schließlich eine Dame. Nic heisst mit vollen Namen Nicoletta de la Santiago. Da sollte man sich zu benehmen wissen."

 

Seit April 2006 verkaufen Gerrit und Nic im Hamburger Stadtteil Winterhude die Straßenzeitung "Hinz & Kunzt"*. Dort, am Forum, kennt jeder den Verkäufer mit der Nummer 3504 und seine cremeweisse Hündin. Junge Mütter mit ihren Kindern lächeln herüber, Stammkunden fragen, wann die nächste Ausgabe erscheint - und ab und zu hilft Gerrit älteren Menschen dabei die Einkäufe nach Hause zu bringen: "Dann lege ich einfach die Zeitungen auf den Rucksack, mache Nic daran fest und stelle den Becher für das Geld daneben. Dann ist sie die Zeitungs-Verkäuferin während ich weg bin."

 

Manchmal steckt man ihm etwas Geld zu und viele viele Leckerli für den Hund. Gerrit ist jedes Mal hin- und hergerissen: "Ich weiss, dass das sehr freundlich gemeint ist. Aber manchmal würde ich Nic am liebsten ein Schild umhängen, auf dem steht: 'Bitte nicht füttern!'. Denn gesund ist einiges von dem, was man Nic geben will, ganz sicher nicht." Gerrit holt aus dem Rucksack einen seiner wichtigsten täglichen Einkäufe - eine Dose der Marke Rinti. Während er sie wieder einpackt, sagt Gerrit: "Es ist teurer als viele andere Marken. Aber ich möchte, dass Nic gutes Futter kriegt."

 

So geht es weiter:

 

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Zwischen Kiez und Weltreise -  der Hund ist der Star

 

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Text: Stefan Hildebrandt mit Noah (Hier geht es zu ihrem Profil)
Fotos: Lotte & Ede

 

* Das Hamburger Straßenmagazin wird von obdach- und wohnungslosen Menschen auf der Straße verkauft. (www.hinzundkunzt.de)

 

Der Siberian Husky im Porträt auf Stadthunde.com.