Noahs Stadt-Begegnungen - Teil 3

Streicheleinheiten für Mensch und Tier

 

Heide Mövius und Nera gehen weiter. Den Gang entlang. Über Linoleumboden. In weitere Zimmer. Auf ein paar weitere Worte und weitere Streicheleinheiten. Neras italienischer Name ist Programm. „Die Schwarze“ hellt Gesichter von Menschen auf, die nur selten Besuch kriegen. Menschen, deren Angehörige wenig Zeit haben, weit weg leben oder sich einfach nicht mehr für sie interessieren. Vor dem Haus blühen die ersten Pflanzen.

 

Auch Nera braucht jetzt eine kurze Pause. Denn was so einfach aussieht, ist anstrengende Arbeit. Trotz ihres ruhigen, ausgeglichenen Wesens, trotz der jahrelangen Erfahrung als Begleithund. Während Nera in der Sonne entspannt, erzählt Heide Mövius von ihrer Arbeit: „Es war ein Zufall. Ich machte ehrenamtliche Altenbetreuung und nahm Nera eines Tages einfach mit. Wir waren bei einer alten Dame, die mit Niemandem sprach, sich ungern anfassen ließ. Als sie Nera sah, streichelte sie sie, redete mit ihr. Mit mir und anderen wechselte sie aber nach wie vor kein Wort.“

 

Heide Mövius sprach sich mit der Heimleitung und dem Pflegepersonal ab, nahm ihre Hündin immer häufiger mit, besuchte gezielt Patienten, die unter Einsamkeit litten oder denen der Kontakt mit einem Hund viel bedeutet. Bis heute wundert sich die ehrenamtliche Helferin, dass ihre Hündin im Alteneinsatz so beliebt und erfolgreich ist: „Nera war ein schwieriger Hund. Wir sprachen immer vom K-Wurf, aus dem sie stammt. Dem Katastrophen-Wurf.“ Heute hat die Belgische Schäferhündin rund ein halbes Dutzend feste Patienten, die sie regelmäßig besucht. Dazu kommen die zahlreichen spontanen Begegnungen in Fluren und Zimmern. Streicheleinheiten, bei denen offen bleibt, wer mehr davon hat.

 

So geht es weiter:

 

Ein Blindenführhund für die Seele
 

Text: Stefan Hildebrandt - Fotos: Noah (Hier geht es zu Ihrem Profil: mehr )