Noahs Stadt-Begegnungen - Teil 3

Streicheleinheiten für Mensch und Tier

Regelmäßig besuchen Heide Mövius und Nera auch das Haus Nummer 7 der Pflegeanlage. Hier leben vor allem Menschen, die an Altersdemenz erkrankt sind. Menschen, deren Erinnerung jeden Tag mehr verblasst. Die erlebte Welt löst sich Stück für Stück auf. Gedächtnisaussetzer. Verwirrung. Orientierungslosigkeit. Kontrollverlust. Am Ende ist Dunkelheit, in der man sich verloren hat.

 

Auch hier sorgt Nera für Lichtblicke. Wenn sie auf Tuchfühlung mit Demenz-Patienten geht, deren Gefühlswelt stimuliert oder durch Ballspiele Mobilität und Koordination trainiert. Für Heide Mövius ist es nach langjähriger Arbeit in diesem Bereich logisch, dass ein Hund in einigen Fällen einfach der bessere Betreuer oder Therapeut ist: „Bei einigen Patienten baut ein Tier Ängste ab, nimmt Scheu. Und für erwachsene Menschen, die ganz unten angekommen sind, kann es einfacher sein, den Kontakt mit einem Tier zu suchen, das sich an ihre Beine lehnt, statt mit einem Menschen, der ihnen geistig deutlich überlegen ist.“

 

Immer wieder kommt es in Haus 7 zu Momenten, in denen selbst erfahrene Betreuer sprachlos sind, wenn Nera für einige Augenblicke die Dunkelheit durchdringt und einen schwer krankten Demenz-Patienten erreicht. Dann ist Nera ein Blindenführhund für die Seele. Und auch Heide Mövius ist dann immer wieder sprachlos: „Das ist jedes Mal ein absolutes Gänsehaut-Erlebnis.“

 

Nera ist nicht nur Betreuerin und Begleiterin für alte und kranke Menschen. Auch am Ende eines Lebens ist die Hündin dabei, erzählt Heide Mövius: „Es gab eine Dame, zu der hatte Nera eine besonders innige Beziehung. Als die Frau starb, war Nera bei der Beerdigung auf dem Friedhof dabei.“

 

Nera. Ein Leben mit Menschen, die viel erlebt haben. Die Polarlichter sahen. Oder deren Erinnerung im Dunkeln für immer verschwindet. Wie man dort durchdringt, wie es sich anfühlt  - das bleibt Neras Geheimnis.

 

Text: Stefan Hildebrandt - Fotos: Noah ( Hier geht es zu Ihrem Profil: mehr )

 

Mittlerweile ist Nera in einem Alter, in dem auch der beste Begleit- und Therapiehund an Ruhestand denkt. Heide Mövius sucht deshalb Halter, die mit ihrem Hund gerne ehrenamtlich Altersheime und auch Demenzerkrankte besuchen möchten. Eine erfolgreiche Begleithunde-Prüfung wäre gut, ist aber keine Pflicht, so Heide Mövius: „Wichtiger ist ein ausgeglichenes, freundliches Wesen. Ideal ist auch eine gute Streichelhöhe. Aber auch kleinere Hunde können in solchen Einrichtungen eingesetzt werden. Die werden dann halt auf eine Decke aufs Bett zum Streicheln gesetzt.“

 

Weitere Informationen gibt Heide Mövius unter Telefon 040/5531477 oder per E-Mail unter HeideMoevius(at)Arcor.de