Eine perfekte Schicksalsgemeinschaft

Sam liegt auf dem Sofa. Kaum zu glauben, dass dieser träge Fellhaufen blitzschnell an der Wohnungstür sein und sie öffnen kann. Hilmar: „Das ist Sams Spezialität. Daher ist die Tür auch von innen abgeschlossen. Wir wollen ja niemanden draußen im Puff erschrecken.“

 


Sam räkelt sich, streckt sich, fordert Streicheleinheiten ein. Hilmars Herz wird da schneller weich als bei vielen Menschen: „Hunde haben es auch verdient, dass man sie verwöhnt. So lange ist ihr Leben nun ja auch nicht.“

 

 
Über sein eigenes Leben macht er sich Gedanken. Über seine Fitness, seinen Körper. Er trainiert. Hart. Und weiß, dass er längst eine Grenze überschritten hat: „Ich bin sportabhängig. Das ist jeder, der lange genug Bodybuilding betrieben hat. Es ist meine Sucht. Und der gehe ich mit Freuden nach.“
Bekenntnisse im Bordell. Und die perfekte Schicksalsgemeinschaft von zwei harten Hunden: „Sam gehört zu mir wie mein Sport. Und wenn ich keinen Sport machen dürfte, dann würde ich krepieren.“

 

An der Wohnungstür sagt er noch, dass er keinen Moment seines Lebens bereut hat. Oder vielleicht doch den einen oder anderen. Aber darüber redet man im Schein des Rotlichts nicht. Ein Satz zum Abschied: „Das ist vorbei. Jetzt bin ich Lebenskünstler  - und kann davon gut leben.“

 


Die Tür schließt sich. Allein im Puff. Niemand wartet. Es ist schon spät. Feierabend im Bordell. Draußen. Auf der Strasse ist es dunkel und still.

 

Text: Stefan Hildebrandt mit Noah (Hier geht es zu ihrem Profil)
Fotos: Lotte & Ede