"Der hat ja gar keinen Maulkorb..."

Hilmar kennt das. Wirklich unangenehm ist ihm das nicht. Ganz und gar nicht. Gut fürs Ego. Und auch gut für Sam, sagt Hilmar: „Ach, für viele bin ich nur der Highlander. Unter diesem Namen kennen mich viele. Liegt wohl an meiner Optik, den langen Haaren, dem Mantel. Ich finde das eigentlich ganz gut.“ Und was ist mit Sam? Sam sorgt für die Kontakte: „In erster Linie komme ich natürlich mit Leuten ins Gespräch, die so genannte Kampfhunde haben oder interessant finden. Das sind alles sehr begeisterte Menschen. Gleichzeitig werde ich aber auch genau so oft von älteren Damen angesprochen. Die haben absolut keine Angst vor Sam, hören kaum auf ihn zu streicheln. Und natürlich gibt es auch Leute an mir vorbei gehen und gerade so laut, das ich es noch hören kann, sagen: ‚Der hat ja gar keinen Maulkorb...’“

 


Zum Maulkorb gehört der Ordnungsdienst. Und der hat Hilmar und Sam vier Mal überprüft. Ohne jede Beanstandung. Hilmar ist da sehr entspannt: „Mittlerweile kennt man sich. Und es finden keine Kontrollen mehr statt. Sam hat amtliche Mischlingsrüden-Papiere, gilt als ungefährlich und ist sehr gut sozialisiert.“

 


Jedes Lebewesen hat seine Wunden. Die tiefste Narbe des Highlanders liegt viele viele Jahre zurück. Er kam aus Berlin, ließ sein bisheriges Leben zurück. Seine Frau war gestorben, wurde in ihrer Geburtsstadt Hamburg beerdigt. Hilmar folgte ihrem Sarg und blieb: „Sie war 29 Jahre, als sie starb. An einem Virus. Ich war 26. Neun Jahre waren wir zusammen. Nach ihrem Tod sagte ich mir: ‚Du musste jeden Tag, den du lebst, genießen.’“

 

In Berlin arbeitete er im Außendienst, verkaufte Brillen. Beinahe bürgerlich. Sein späteres Leben verbrachte er in Hamburgs Rotlichtwelt. Als Fitnesstrainer, Türsteher, Aufpass-Allrounder, Beschützer, Hauswirtschafter in einem Bordell. Was wirtschaftet man im Puff?

 


Erst einmal redet man nicht viel, macht Hilmar klar – und gibt ein paar Momente eines bewegten Lebens preis: „Ich passte auf die Frauen auf und verwaltete die Kasse. Wenn es Theater auf den Zimmern gab, musste ich den schlichten. Reden half meist, um das Problem aus dem Weg zu schaffen. Meinen Worten musste ich nur extrem selten Nachdruck verleihen.“ Viele Jahre im Rotlicht. Das hat zwar abgefärbt, aber keine dunklen Flecken hinterlassen. Hilmar: „Mein Führungszeugnis ist weißer als weiß.“

 

So geht es weiter:

 

Rotlicht, Frauen, harte Hunde

 

Text: Stefan Hildebrandt mit Noah (Hier geht es zu ihrem Profil)
Fotos: Lotte & Ede