Interviewfragen an Fr. Dr. Claudia Westfahl

 

Stadthunde.com: Sehr geehrte Frau Dr. Westfahl, für viele Hunde und ihre Besitzer ist Hundepflege ein eher lästiges Thema. Woran liegt das Ihrer Meinung nach – und wie könnte man das ändern?

Ändern Sie sowohl Ihre Einstellung zur Pflege als auch Ihre Ausrüstung! Oft wird „Hund bürsten“ als ähnlich lästige Aufgabe wahrgenommen wie Staubsaugen, Abwaschen, Fensterputzen. Tatsächlich geht es bei der Fellpflege aber um soviel mehr, als dass der Hund anschließend einfach nur „schön gebürstet“ aussieht. Statt lästiger Pflicht sollte die Pflege des Hundes als kommunikatives Miteinander verstanden werden, das die Bindung zwischen Hund und Halter stärkt. Zudem bietet sie dem Tierhalter die Möglichkeit eines kleinen Gesundheits-Checkups, denn er kann dabei auf Parasiten wie Zecken und Flöhe achten sowie die Haut und Unterhaut auf Rötungen, Schwellungen und Knoten untersuchen. So können kleinere „Macken“ sofort verarztet, Unstimmigkeiten mit dem Tierarzt geklärt und sogar Krankheiten frühzeitig entdeckt und behandelt werden. Im Übrigen dient die Vereinzelung der Haare nicht einer schönen optischen Erscheinung, sondern ermöglicht der Haut darunter zu „atmen“, was wiederum Erkrankungen der Haut vorbeugt. Zum Thema Ausrüstung: Mit den richtigen Werkzeugen gelingt die Fellpflege viel leichter, schneller, stressfreier und effektiver – für beide Seiten eine tolle Erfahrung!

Stadthunde.com: Was können Hundehalter für ein gesundes und glänzendes Fell tun, in dem sich der Hund wirklich wohlfühlt?

Bürsten, bürsten, bürsten! Klingt simpel, aber auf diese Weise werden nicht nur die Haare vereinzelt und Verfilzungen vermieden, sondern auch juckender Dreck und Schmutz sowie tote Haare entfernt und die schützenden, pflegenden Lipide der Talgdrüsen im Haar verteilt. Im Sommer gilt zusätzlich: Bitte die Vierbeiner - bis auf wenige Ausnahmen wie Pudel, Lhaso Apso und Portugiesischer Wasserhund - nicht scheren, sondern nur die dichte Unterwolle entfernen. Grundvoraussetzung ist hier natürlich, dass der Hund lernt, geduldig und entspannt die Pflegeprozedur mitzumachen. Ihm das beizubringen liegt wiederum in der Hand des Tierhalters: Mit Geduld, Konsequenz und freundlicher Gelassenheit gibt es aber keinen Hund, der nicht versteht, was von ihm erwartet wird.

Stadthunde.com: Manche Hunde- halter sparen beim Pflegequipment und verlassen sich auf eine einzige, günstige Bürste aus dem Zoohandel. Welche Risiken gibt es dabei?

Auf Seiten des Vierbeiners endet dies meist mit roter, gereizter Haut, auf Seiten des Besitzers stellt sich schnell Frust ein, da die Bürsten oft brechen und er immer wieder neue kaufen muss. Auf beiden Seiten gibt’s Entnervtheit wegen des hohen Zeitaufwandes, der ineffektiven Werkzeuge oder einer unpraktischen Handhabung. In den meisten Fällen fliegt die Bürste dann irgendwann in die Ecke und wird nicht mehr benutzt, was letztlich der Haut- und Fellgesundheit des Hundes schadet.

Stadthunde.com: Hunde gibt es in vielen unterschiedlichen Rassen und Größen, und auch die Fellbeschaffenheit variiert erheblich. Empfiehlt es sich, alle Hunde gleich zu pflegen – oder gibt es Unterschiede?

Dass Pudel und Afghane grundsätzlich anderer Pflegemaßnahmen bedürfen, liegt allein schon aufgrund des doch offensichtlich unterschiedlichen Erscheinungsbildes auf der Hand. Tatsächlich gibt es aber wenige No-Go’s wie z.B. das Scheren von Tieren mit Unterwolle. Meist merkt man aber schnell, dass man die falsche Bürste oder den unpassenden Kamm erwischt hat, wenn die Pflege mühsam und extrem zeitaufwändig wird, wenn man gar nicht richtig „durch’s Fell kommt“ oder die Haut sich rötet, weil die Zinken zu hart und spitz sind. Um diese Erfahrung zu vermeiden, hilft vor dem Kauf etwas Recherche und ggf. das beratende Gespräch mit dem Fachhändler vor Ort.
Was unsere FURminator Bürsten und Kämme betrifft, so haben wir ein System entwickelt, das dem Hundehalter in zwei Schritten die richtige Pflege seines vierbeinigen Lieblings ermöglicht. Dazu gibt es u.a. eine Liste, die die unterschiedliche Beschaffenheit des Fells und die entsprechenden Hunderassen aufführt sowie die dazu passenden Pflegewerkzeuge zeigt. So finden sich Frauchen und Herrchen im Produktdschungel leichter zurecht.

Stadthunde.com: Woher wissen Hundehalter, welches Pflegekonzept für ihren Hund das richtige ist?

Wenn alles richtig gemacht wird, dann ist der Zeitaufwand für den Besitzer überschaubar und der Hund sieht gepflegt aus. Klingt simpel – ist es auch! Machen Sie sich vor dem Kauf der Pflegetools Gedanken, was das eigentliche Ziel der Anschaffung sein soll. Was braucht der Hund? Rassen mit seidigem Haar wie Cocker Spaniel oder Briard müssen regelmäßig Verknotungen und Verfilzungen an Bauch und Schenkeln ausgekämmt werden, so dass hier eine Zupfbürste und ein Finish-Kamm sinnvoll sind. Dagegen muss Vierbeinern mit dichter Unterwolle in den warmen Sommermonaten die überschüssige Wolle entfernt werden, weil die Hitze für sie sonst unerträglich wird. Hier bietet sich vor allem das FURminator deShedding Fellpflegewerkzeug an, da es ohne zu schneiden lose Haare und Unterwolle aus dem Deckhaar entfernt.

Stadthunde.com: Es ist von Bürsten und Kämmen, vom Entfernen von Unterwolle [und totem Deckhaar] die Rede – was ist mit Haareschneiden?

Augen und Nasenpartie freizuschneiden ist auf jeden Fall eine sinnvolle Maßnahme. Auch das Kürzen der Haare zwischen den Ballen gibt absolut Sinn. Soll der Schnitt dem Fell „Kontur“ geben, also einer Frisur entsprechen, so ist das natürlich erlaubt – aber aus Sicht des Hundes nicht notwendig. Übrigens wachsen Hundehaare im Unterschied zum Menschen nur etwa 6 bis 8 Wochen lang und verbleiben danach in einer Ruhephase, in der sie auch nicht mit Nährstoffen versorgt werden. Eine Ausnahme bilden nur Rassen mit dauerhaft wachsendem Fell wie Pudel, Bichon frisé oder Portugiesische Wasserhunde. Und auch nur diese Rassen sollten geschoren werden! Fatal wäre es, einem Hund mit Unterwolle den Pelz zu scheren. Die Folge wäre eine schneller als das Deckhaar wachsende Unterwolle und daraus resultierend verkümmerndes Deckhaar. Dieses verliert seine schützende Funktion gegen Nässe, wohingegen die wärmenden Wollhaare nur in ihrer Länge gekürzt würden, aber noch genauso wärmen! Stattdessen gilt es hier, die Unterwolle aus dem Fell herauszuziehen, bspw. mit dem FURminator deShedding Werkzeug. 

Stadthunde.com: Meinem Hund ist es im Sommer viel zu warm: Kann ich als Laie die Unterwolle meines Hundes entfernen oder muss ich mit ihm zum Hundefrisör?

Der Profi nutzt zum Entfernen der Unterwolle spezielle Werkzeuge. Dabei wird das schützende Deckhaar nicht beschädigt oder gekürzt. Ein Besuch beim Hundefrisör kostet jedoch Zeit, Geld und kann für viele Hunde einen echten Stressfaktor darstellen – vergleichbar mit einem Tierarztbesuch. Doch besonders Hunde mit viel Unterwolle wie Schäferhund, Leonberger, Neufundländer oder Golden Retriever gehen im Sommer kaum mehr gern spazieren, weil sie die Wärme nicht abtransportieren können. Hier bietet sich ein sogenanntes deShedding Fellpflegewerkzeug für Zuhause an, das auch ohne Vorerfahrung oder Einweisung vom Laien benutzt werden kann, genauso effektiv arbeitet und dabei das Deckhaar genauso schont wie die Werkzeuge des Hundefrisörs. In der Anschaffung ist ein gutes Gerät etwas teurer, zahlt sich jedoch durch lebenslange Garantie, einfache Handhabung und Effektivität aus!

Stadthunde.com: Im Herbst bringen Hunde besonders viel Schmutz mit ins Haus. Viele Hundehalter haben jedoch Angst, Hunde zu baden – ist das berechtigt?

Die Tierärztin in mir antwortet, dass klares Wasser grundsätzlich ausreicht und Zusätze wie Shampoos bei übermäßigem Gebrauch den Lipidschutzmantel der Hundehaut angreifen können, was zu Irritationen, Schuppenbildung und griesigem, fettigem Fell führen kann. Die Hundebesitzerin in mir antwortet jedoch, dass mancher hartnäckige Schmutz oder auch spezielle Gerüche wie Pferdeapfel das Baden mit Shampoo absolut notwendig für das friedliche Zusammenleben von Zwei- und Vierbeinern machen!

Stadthunde.com: Worauf ist beim Baden des Hundes zu achten, um die Gesundheit von Haut und Fell zu fördern?

Generell gilt: So oft Baden wie nötig, so selten wie möglich. Wichtig ist die Auswahl eines echten Hundeshampoos. Diese sind sowohl in Bezug auf die Inhaltsstoffe als auch auf den pH-Wert auf die Hundehaut abgestimmt und ermöglichen eine schonende Reinigung. Shampoos aus dem Humanbereich sind dagegen ungeeignet, da sie auf den Säureschutzmantel der menschlichen Haut abgestimmt sind. Wichtig beim Hundeshampoo sind neben dem richtigen pH-Wert zum Beispiel rückfettende Öle in der Rezeptur. Die beste Möglichkeit, die Gesundheit von Haut und Fell zu erhalten oder zu fördern, ist aber nach wie vor: bürsten, bürsten, bürsten!

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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