Stadthunde vor Ort

Tiertafel e. V. in Brüggen - erste Ausgabestelle in NRW

Das idyllische Städtchen Brüggen am Niederrhein ist für sein historisches Ambiente bekannt. Weniger bekannt ist, dass in Brüggen die NRW-weit erste Ausgabestellte der Tiertafel e.V. zu finden ist.

 

In einer ruhigen, grünen Gegend hat Leiterin Bettina Mews zwei Räume angemietet, in denen jeden Samstag Futter an bedürftige Tierhalter ausgegeben wird. „Die Lage hier ist etwas abseits, damit unsere Kunden nicht so auf dem Präsentierteller sitzen,“ erklärt sie uns, als wir sie an einem Ausgabetag besuchen.

 

Im Ausgaberaum steht ein Tisch mit mehreren Stühlen im Schatten von Vorratsregalen und turmhohen Futterdosenstapeln. Die Kunden werden einzeln aus dem Warteraum hinein gebeten, damit man sich in Ruhe mit ihnen beraten kann. Auf einer Karteikarte sind die wichtigsten Eckdaten der Kunden vermerkt. 

 

Kein Interesse auf Seiten der Städte

 

Dass Brüggen bislang die einzige Ausgabestelle in ganz NRW ist, hat einen ebenso einfachen wie ernüchternden Grund, erklärt Bettina Mews: „Engagierte Menschen, die eine Ausgabestelle aufbauen wollen, gibt es in fast allen großen Städten NRWs. Aber wir finden einfach keine Räumlichkeiten; und die Städte haben nicht gerade ein offenes Ohr für unsere Angelegenheit.“

 

Während sie spricht, stromert die dünne Hündin eines Kunden durchs Lager, bestaunt die Futterdosen-Türme mit großen Hundeaugen und begrüßt uns mit sanfter Vertraulichkeit. „Sechzehn Jahre ist mein Mädchen jetzt schon alt!“ erklärt ihr Besitzer und streichelt liebevoll über ihr weiches Fell. „Aber sie kriegt einfach nichts mehr auf die Rippen.“ Gemeinsam wird in der Ausgabestelle beratschlagt, mit welchem Futter die vierbeinige Seniorin etwas gepäppelt werden kann.

 

Kunden mit unterschiedlichen Lebenswegen

 

Viele Menschen sind der Auffassung, sozial schwache Tierhalter sollten sich lieber von ihrem Tier trennen – sicherlich einer der Gründe, weshalb die Städte nicht allzu eifrig in ihrer Unterstützungsbereitschaft sind. „Was das Argument angeht, nenne ich immer gerne eine unserer Kundinnen als Paradebeispiel,“ sagt Bettina Mews dazu. „Sie ist 84 Jahre alt und ihr alter kleiner Hund ist ihr Ein und Alles. Wollen sie diese beiden wirklich noch trennen?“

 

Viele Ihrer Kunden haben ihr ihre Geschichte anvertraut: Sie waren früher als Selbstständige erfolgreich und hätten nie gedacht, dass sie sich eines Tages einmal am Ausgabetisch der Tiertafel wiederfinden würden. „Aber wer kann sich heute noch von diesem Risiko freisprechen?“, fügt Bettina Mews nachdenklich hinzu.

 

Menschen und Hunde kommen oft von weiter her

 

Bettina Mews war schon länger auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit, die mit Tieren zu tun hat. Als die 43-Jährige gelernte Kaufmännische Angestellte im Juni des letzten Jahres von der Idee der Tiertafel erfuhr, wusste sie sofort: Das ist es! Und sofort setzte sie alle Hebel in Bewegung.

 

Heute kümmert sie sich in den angemieteten Lagerräumen zusammen mit Vera Wahlen, Angelica Smajgl und Daniela Kohls um die Sorgen und Nöte der bedürftigen Tierhalter in der Umgebung. Ihre Kunden kommen oft von weiter her, da es in NRW derzeit keine Alternativen gibt. „Deshalb bekommen sie manchmal auch doppelt soviel Futter mit wie in anderen Ausgabestellen, damit sich die weite Anfahrt überhaupt lohnt,“ erklärt sie, während sie eine Futterspende einsortiert. Die Spende, ein halb voller Sack mit Hundeflocken, hat gerade eine ältere Dame gebracht, deren Hund kürzlich verstorben ist.

 

Hier geht es weiter: Tiertafel e.V. in Brüggen - Teil 2

 

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