So habe ich mein Zuhause gefunden:
Am 15.09.1996 kam ich als Staffordshire Bullterrier zur Welt und lebte sieben Jahre bei der Familie Marianne P. aus Gladbeck/Rosenhügel. Als junger Hund arbeitete ich als Sicherheitskraft in einem Stahlwerk und wurde dort von einem Gabelstapler angefahren. Da mein Temperament sehr stark war, büchste ich oft aus und drehte so meine eigenen Runden. Das wurde mir sehr schnell zum Verhängnis. Im Alter von 2 Jahren wurde ich aufgrund meines wilden Wesens von einer Straßenbahn angefahren. Ich war sehr schwer verletzt und bekam zwei künstliche Hüftgelenke. Meinen Job im Stahlwerk konnte ich somit dann an den Nagel hängen. Meine Vorbesitzerin wurde ausgerechnet auch noch schwanger und somit musste ich im Garten schlafen. In dieser Zeit lebte ich dort im Zwinger und ab und zu kam ein stattlicher Pitbull-terrier zu besuch. Wir waren ein Herz und eine Seele und er schenkte mir sechs Welpen. Leider habe ich von den sechs Welpen nur eins austragen können. Die anderen habe ich leider verloren. Nach der Geburt meiner Welpen war ich wieder sehr krank und es sah aus als ob meine letzte Stunde geschlagen hätte. Meine Gebärmutter hatte sich stark entzündet und musste komplett entfernt werden. Mein Welpe wurde dann auch abgegeben und lebt jetzt irgendwo in Deutschland. Ich lebte bis zu meinem siebten Lebensjahr dann im Zwinger und meine Freizeitaktivitäten haben sich nur dort abgespielt. Eines Tages dachte sich meine Vorbesitzerin dass sie einen neuen Anbau für ihr Haus bauen müsste. Sie bestellte eine Fachfirma aus Gladbeck/Ost die das Dach für den neuen Anbau decken sollten. Dachdecker Meister Karlheinz Rossmann und seine Crew kamen dann auch um das Dach zu decken. Ich war total aufgedreht, da Besuch so gut wie nie zu uns kam. Ein netter junger Dachdecker kam ab und zu vom Dach und teilte sein Pausenbrot mit mir. Er hatte wohl mitleid mit mir, da ich sehr abgemagert war. Zu dieser Zeit wollte ich nicht mehr so richtig fressen, da mir mein Leben im Zwinger sinnlos vorkam. Schließlich neigten sich die Dacharbeiten dem Ende zu aber trotzdem kam ab und zu der junge Dachdecker zu besuch. Wenn er kam drehte ich voll durch. Ich drehte mich im Kreis und war außer mir von Freude. Meine Vorbesitzerin sagte dem jungen Dachdecker; du kannst sie ruhig mitnehmen und behalten. Was soll ich denn noch mit ihr. Bei dir frisst sie und blüht neu auf. Der junge Dachdecker wollte sich erstmal ein Bild von mir machen, da ich ja ein Kampfhund und sehr sehr wild war und er noch keine Erfahrungen mit einem eignen Hund machen konnte. Schließlich holte er mich mal für ein Tag ab oder mal für ein Wochenende. Bis er dann eines Tages mich komplett mitgenommen hat. Er bekam noch meine ganzen Halsbänder, Leinen, vier Sack Trockenfutter und 13 Paletten Nassfutter mit. All das ganze Zeug gab er dann dem Tierheim Gelsenkirchen. Ich lebte jetzt bei ihm und er meinte warum soll sie das billige Zeug fressen!?! Er stelle mich seinen Eltern vor, aber sie reagierten nicht so, wie er es sich erhoffte. stattdessen kamen sätze wie „hau ab mit dem Vieh. Wo haste die denn her? Sie sieht aus wie ein Strassenköter von Malle.“ Selbst seine engsten und besten Freunde sagten zum ihm; „was willste mit dem Köter?“ Zu dieser Zeit sah ich auch nicht gut aus. Jeden einzelnen Knochen konnte man von mir sehen. Hatte auch angst vor Autos und Menschen, da ich erstens schlechte Erfahrungen mit Fahrzeuge gemacht habe und zweitens weil ich nur im Zwinger war. Mein neues Herrchen „Kai“ ging mit mir deswegen immer an der B224 spazieren. So zu sagen eine Schocktherapie. Wenn Markttag in der Stadt war, musste ich auch mit. Er übte und übte mit mir, bis ich total resozialisiert war. Mein Herrchen seine/meine Familie, Freunde und Bekannten wurden mir auch immer vertrauter und ich schlich mich so zu sagen in ihren Herzen rein. Auf einmal war ich in einer Familie und wurde wieder geliebt. Ich nahm zu und das gehorchen kam auch so langsam aber sicher wieder. Was nur noch fehlte war die offizielle Lizenz mit meinem Herrchen Gassi zu gehen. Als mein Herrchen mich bei der Stadt Gladbeck anmelden wollte, wurde ihm mitgeteilt dass er mich nicht einfach so erwerben darf. Öffentliches Interesse heißt das Zauberwort. Also machte sich mein Herrchen strafbar und sollte mich ins Tierheim abgeben aber da auch unsere Stadt Gladbeck Hundefreunde hat, durfte ich auf Umwegen bei meinem Herrchen wohnen bleiben. Er musste mich aber doch zum Tierheim bringen. Zwar sollte ich nur übers Wochenende da bleiben aber selbst die Pfleger im Tierheim brachten es nicht übers Herz uns zu trennen. Mein Herrchen füllte nur ein Tiervermittlungsvertrag aus und durfte dann wieder mit mir nach Hause fahren. Jetzt komm ich offiziell aus dem Tierheim Gelsenkirchen und habe somit das Öffentliche Interesse. Jetzt fehlte nur noch ein Mikrochip unters Fell, Sachkundenachweis für mein Herrchen, Polizeiliches Führungszeugnis und ne Versicherung über 6 Millionen Euro. Mein Herrchen hat dann den Sachkundenachweis mit Bravur in Recklinghausen bestanden, Versicherung haben wir auch schnell gefunden und das Polizeiliche Führungszeugnis war auch kein Problem. Vet Dr. B in Gladbeck hat mich dann geimpft und gechipt. Jetzt gehörte ich offizielle zu meinem Herrchen „Kai“ Wir unternahmen sehr viel zu dieser Zeit aber irgendetwas stimmte nicht mit mir. Immer nachts um 03:00 Uhr wurde mir schwarz vor Augen und ich hatte große Angst und wusste nicht wo ich war. Die ersten 5 male beruhigte ich mich relativ schnell, so das mein Herrchen sich nicht all zu große Sorgen machte. Mit der Zeit wurden dann die Anfälle immer schlimmer und heftiger. Einmal so heftig das es nicht aufhören wollte. Wir riefen dann mitten in der Nacht meine Tierärztin Dr. B. in Gladbeck an, die auch Notdienst zu dieser Zeit hatte. Sie sagte nur, sie sei selber krank und legte auf. Mein Herrchen rief überall an und keiner wollte sich um diese Uhrzeit dem Problem stellen, bis auf eine Tierärztin Dr.med.vet. Sabine Lang auf der Friedenstr. 15 in Gladbeck. Sie sagte dass wir sofort vorbei kommen sollen und sie würde auch ihre Tierarzthelferin wecken. Um 4 Uhr standen wir dann bei ihr in der Praxis auf der Matte und mir ging es noch schlechter. Nach einigen Minuten kam dann auch die Diagnose. Ich hatte einen Schlaganfall und so wie es aussah, nicht den ersten. Ich bekam Tabletten und Notfalltabletten für den Fall, wenn es wieder passiert. Es passierte wieder und das nicht nur einmal. Es waren ca. 8 Schlaganfälle an der Zahl und kein einziger konnte mir so wirklich was anhaben. Mit dem Alter kamen auch andere Krankheiten. Mir wurden mit der Zeit sechs Tumore entfernt und jedes Mal sah es nicht für mich sehr rosig aus. Problem bei den Op’s ist mein Herz. Ich brauche eine bestimmte Narkose, die sehr aufwendig und teuer ist. Mein Herrchen würde sein letztes Hemd für mich geben und hat es auch manchmal gemacht, nur um mir zu helfen. Leider bin ich jetzt so vom Krebs befallen das man mir nicht mehr helfen kann aber ich lebe weiter und jeden Tag zeige ich so sehr mein Herrchen das ich weiterleben will, so dass er es nicht abschätzen kann ob ich mich quäle. Alle zwei Wochen geht’s dann natürlich zum Tierarzt. Allein schon wegen meiner offenen Wunde (Hautkrebs) unter dem linken Vorderlauf. Diese scheiß Wunde tut mir am meisten weh aber ich zeig es nicht, da ich ein Kampfschmuser bin! Im hinteren Bereich wächst auch wieder der Krebs nach. Ich möchte kein Mitleid wegen meiner Krankheit von euch! Alles was ich will ist, dass ihr euren Tieren so viel Liebe gibt, wie es mein Herrchen tut, denn dann kann jede Krankheit, Wunde und Verletzung noch so schlimm sein aber durch die Liebe ist alles halb so wild. Der Zeitpunkt meines Hundedaseins wird bald vorüber gehen aber bis dahin zeige ich der Welt dass ich stärker als all ihre Vorurteile bin. Ich wurde als Kampfhund geboren und werde auch als einer sterben. Aber nicht im Pit, nicht in der Arena oder im Kampf mit einem anderen Hund. Mein größter Kampf war der Kampf gegen die Vorurteile und Lügen über meine Rasse. Deutschland steckt immer noch voller Nazis und wenn es keine Menschenrassen sind, dann sind es Hunderassen! Im diesem Sinne: Nichts existiert wenn ihm nicht Dein Bewustsein Leben gibt
Cora
Nachtrag: Cora wurde am 02.06.09 um 17:03 Uhr eingeschläfert. Es war nicht der Krebs, der ihr so zu schaffen machte. Es war ihr Herz und Kreislaufsystem, das nicht mehr richtig arbeiten wollte. Cora wir werden dich nie vergessen und du wirst immer in unseren Herzen ein ganz besonderen Platz haben. In Liebe und Dankbarkeit dein Herrchen Kai, Papa, Mama, Familie, Freunde und Bekannte |