Die verlegte Schmusestunde
Bisher war es bei uns gute alte Tradition, dass Jule abends ein paar Minuten auf meinem Schoß dösen durfte, wenn ich in meinem Lesesessel saß. Nun hat mein Lesesessel in der neuen Wohnung noch keinen Platz gefunden und das neue Bett ist auch noch nicht gekommen. Unsere Matratze liegt also noch auf dem Fußboden.
Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht – auch wenn sich daran die Geister scheiden. Aber Jule bittet um diese Alternative auf so eine charmante und liebvolle Art, da bringen wir es einfach nicht über das Herz. Was?
Na, sie aus dem Bett zu werfen!
Jeden Abend das gleiche Schauspiel. Elena sitzt noch auf dem Sofa und guckt fern, und ich gehe zu Bett, da ich im Moment morgens früher aufstehe, um meine kreativen Morgenstunden möglichst optimal zu nutzen.
Sobald ich in Richtung Matratze gehe, stellen sich schon zwei kleine Ohren auf und die Aufmerksamkeit ist voll bei mir, auch, wenn sie gerade tief und fest geschlafen hat und meint, dass sie ja soooo unauffällig ist. Wenn ich dann im Bett liege und das Licht aus ist, schleicht sich schon jemand ganz vorsichtig an und lauscht. Ich mache mir jeden Abend wieder einen Spaß daraus, mich nicht zu bewegen und ganz ruhig zu atmen. Jule schleicht noch ein-, zweimal um das Bett, um die Lage zu sondieren, um sich dann mit Samtpfoten auf die Matratze zu schleichen und einen ihrer Riesen-Seufzer loszulassen, als wenn sie sagen wollte: „Ach Herrchen, Du weißt auch, das es so am Schönsten ist, oder?“
Jule bleibt aber nicht die ganze Nacht. Wenn sie ausgeschmust hat oder es ihr zu warm wird, dann geht sie in ihr Körbchen und schläft dort auch die ganze Nacht.
Bis der Wecker morgens klingelt. Sie weiß, dass er dann noch einmal weitergestellt wird. Diese Minuten sind dann wieder ihre Minuten. Allerdings ist Frauchen dann ja auch da. Es gibt also nur eine Möglichkeit uns beiden gerecht zu werden – sie legt sich zwischen uns. Mal halb auf Elena, mal halb auf mich. Wenn sie noch sehr müde ist, bringt sie es sogar fertig, sich auf den Rücken zu legen und zu schnarchen. Aber so, dass man Probleme hat, das zweite Klingeln des Weckers zu hören.
Manchmal denke ich auch, ich sollte das Leben mit Jule niederschreiben, wie John Grogan (siehe Buchvorstellung auf www.stadthunde.com), die Rechte an Hollywood verkaufen und mir ein schönes Leben machen. Aber wenn es danach geht, dann hätten wir in Deutschland allein 5 Millionen Hundebücher und Filme.
von
Jule
am 22.08.2007 18:40 |
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