Mit Jule beim Röntgen
Bei vielen Hunderassen, unter anderem auch beim Labrador - vorausgesetzt er kommt von guten Züchtern - ist es üblich, nach dem ersten Lebensjahr die Ellenbogen und Hüfte zu röntgen, um zu sehen, ob eventuelle Erbkrankheiten wie HD oder ED vorhanden sind. Dies geschieht zum einen für den Züchter, als letzter Beweis, ob die Elterntiere etwaige Erbanlagen weitergegeben haben, aber auch für den Halter selbst, um einschätzen zu können, was er seinem nun ausgewachsenen Hund zukünftig zumuten kann bzw. welche Aktivitäten man im Interesse des Hundes und einem möglichst langen beschwerdefreien Miteinander lieber unterlassen sollte.
Nachdem Jule am 20.03. 2007 ein Jahr alt geworden ist, ließen wir uns einen Termin bei unserem Hausarzt Dr. Krohn geben. Ein Freitag um 12.00 Uhr.
Der Morgen fing an wie gewöhnlich. Ich wurde freudig begrüßt und durfte nach dem obligatorischen Ohr- und Bauchkraulen aufstehen. Doch schon zeigten sich für Jule die ersten Abweichungen vom normalen Tagesablauf. Herrchen ging zwar wie gewöhnlich in die Küche um sein Teewasser aufzusetzen, machte aber keine Anstalten, das Trockenfutter wie üblich, einzuweichen. Auch minutenlanges Ausharren vor der Dusche und Anstarren von Herrchen, als er aus der Dusche stieg, schien nicht zu fruchten. Letzte Chance vor dem morgendlichen Gang ins Büro: Jule ging zum Abstellraum, stieß mit der Nase die Tür auf, setze sich demonstrativ vor die Tonne mit ihrem Futter und setze einen Blick auf als wollte sie sagen: Wie kann man denn über Nacht vergessen, wo mein Futter steht?
Selbst diese Aktion brachte keinen Erfolg bzw. Futter. Um entsprechende Röntgenbilder zu bekommen muss der Hund still liegen, damit seine Gliedmaßen in die gewünschte Position gebracht werden können und auch so verbleiben, wie es vom Zuchtverband zur Beurteilung der Gelenke gefordert wird. Um dies zu erreichen, wird der Hund für die Dauer der Aufnahmen narkotisiert und muss also nüchtern zum Termin erscheinen.
Nachdem es einigermaßen mürrisch mit Herrchen auf den Weg ins Büro ging, blieb für Jule noch die Chance, die Tomatenscheibe von Herrchens Frühstücksbrötchen zu bekommen. Aber alles Betteln und Quengeln half auch diesmal nichts. Tief gekränkt zog Jule sich in den unteren Bürobereich zurück, um wenigstens durch die Glasscheibe mit Eddie, einem ihrer besten Freunde zu flirten.
Um die Mittagszeit ging es dann wie üblich zum Spaziergang raus. Der Weg bis ins Wartezimmer vom Tierarzt ging diesmal problemlos. Das abendliche Training der letzen Wochen bis vor die Haustür des Tierarztes ohne eingeklemmte Rute hatte sich also bezahlt gemacht.
Nachdem wir ganz entspannt einige Zeit im Wartezimmer verbracht haben, ging die Tür auf und der Doktor kam herein. Wieder bedurfte es viel Geduld, um Jule ins Behandlungszimmer zu bewegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer Arztpraxis liebevoller mit Tieren umgegangen wird als bei Dr. Krohn, aber ausgerechnet die eine Spritze im zarten Welpenalter, die sein musste und anscheinend unter der Haut etwas zog oder brannte, hat sich Jule gemerkt. Und an dieser Spritze müssen sich Dr. Krohn und sein Team jedes Mal wieder messen lassen, ohne das Jule ihnen eine Chance auf Bewährung einräumen würde. Egal ob man als Welpe von einer Ohrenentzündung oder lästigem Durchfall befreit wird - es ist die eine Spritze, die zählt.
Im Behandlungszimmer wurde Jule von 6 Händen ausführlich gestreichelt und - Herrchen immer im Blickfeld – für die Röntgenaufnahmen ruhig gestellt.
In den folgenden 60 Minuten ging die Tür zum Behandlungszimmer auf und unterschiedliche Röntgenbilder wurden zwecks Beurteilung der ausreichenden Aussagekraft zur Bewertung angeklemmt. Als alle Aufnahmen im Kasten waren, wurde Jule zum Aufwachen ins Behandlungszimmer gebracht. Mach weiteren 20 Minuten erlaubte mir der Tierarzt Jule mit nach Hause zu nehmen. An laufen war bei Jule allerdings noch nicht zu denken, und so trug ich sie nach Hause in ihr Körbchen. Der Tierarzt gab mir noch mit auf den Weg, dass sie den Rest des Nachmittags wohl schlafen würde und abends (endlich) ein wenig fressen dürfe.
Nachdem Jule in Ihrem Körbchen lag, rief ich bei unserer Züchterin an, um ihr mitzuteilen, dass der erste Eindruck der Hüften und Ellenbogen ganz positiv sei. Von ihr bekam ich dann noch ein paar Tipps zum Thema „Aufwachen nach einer Narkose“. Mit diesen Informationen versorgt, holte ich eine zweite Wolldecke und kuschelte meinen Hund dick ein, da einige Hunde beim Aufwachen Schüttelfrost bekommen können
Jule genehmigte sich noch 4 Stunden Schlaf. Gegen Abend bekam sie ein wenig Futter und schloss ihren Frieden mit dem Tag und auch wieder mit mir – Ihrem Herrchen.
von
Jule
am 26.03.2007 19:32 |
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