Tja, da gehen die Meinungen schon immer stark auseinander. Täglich 2-4 Stunden finde ich in Ordnung!
Die meisten Hunde, die mir bisher begegnet sind, sind nicht nur Rudeltiere, sondern ein geliebtes Familienmitglied; sie haben verdient, nicht alltäglich viele Stunden sich selbst überlassen zu werden.
Ich weiß, dass man plötzlich in einer Notlage sein kann (gesundheitlich oder finanziell oder gar beides zugleich), dennoch bin ich der Meinung, dass man dafür sorgen sollte, dass das geliebte Familienmitglied voll versorgt wird. Zumal es nicht nur professionelle, also gewerbliche Angebote gibt. Es gibt auch Lösungen für die kleine Brieftasche!
Mein Retriever schlief leider nicht, sondern erwartete meine Rückkehr, ohne während meiner Abwesenheit zu essen oder zu trinken. Auch wenn andere da waren, also nur ich weg. Er entspannte sich nicht, die Ohren angelegt bis zur Rückkehr. Außerdem weigerte er sich, Spaziergänge mit anderen Menschen zu unternehmen. Aus diesen und anderen Gründen brachte ich es nicht übers Herz, ihn alleine zu lassen. Als ich noch beim ÖR arbeitete, durfte er mit ins Büro, das war also auch kein Thema. GsD. Ich machte nichts, was ihn ausschloss, aber das ist wirklich kein Maßstab, dessen bin ich mir bewusst.
Da er eine tolle Wirkung auf andere Hunde bei allen erdenklichen Verhaltensauffälligkeiten hatte, sehr souverän war und ich ihm vertrauen konnte, war er auch da mein ständiger Begleiter, denn er konnte auch nebenher laufen, ohne dass meine Aufmerksamkeit dadurch geschmälert wurde.
Er musste also in unserem Leben tatsächlich fast nie alleine sein (Freizeit ohnehin immer mit ihm). Dennoch finde ich bis zu 4 Stunden vollkommen angemessen.
Wäre der Pyrenäenberghund deutlich souveräner und hielte sich auch ohne Ansagen an die Regeln, könnte ich ihn mehr mitnehmen und in mehr Stunden integrieren, was mir natürlich lieber wäre. 5 Stunden finde ich aber auch noch ok, jedoch nicht ideal. Bei mir kein Dauerzustand, denn nach fast fünfmonatiger Suche sollten wir ja bald das Familien- und Wach-Paradies für ihn gefunden haben. Und es gibt einen Mitbewohner, mit dem er sich hervorragend verträgt und der viel zuhause ist. Zudem wird er vorher und nachher geistig und körperlich ausgelastet sowie bespaßt.
Es hängt auch davon ab, welche Rolle der Hund jenseits der Arbeitszeit im Leben seines Menschen innehat. Bekommt er das, was ihm wichtig ist, die Nähe, die er sich wünscht, den Auslauf, den er braucht, die Beschäftigung, die verbindet und fördert... Ja, dann ist es wohl i.O., ihn 4-5 Stunden alleine zu lassen.
Manchem Menschen bleibt halt nichts anderes übrig, als seinen Hund für mehr Stunden täglich alleine zu lassen, das ist mir klar. Ab der 6. Stunde empfinde ich es dennoch als echte Zumutung, zumal es Lösungen en masse gibt, und ich vermag nicht wirklich zu verstehen, aus welchem Grund man dann einen Hund hält. Es erscheint mir egoistisch. 7 Stunden oder mehr? Dazu fällt mir echt nichts ein...
Dass man Halbtags- oder Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen kann, ist doch super. Hier halten es sogar viele, die 'nur' 3-4 Stündchen weg sind, so, also entweder Betreuung oder dog walker. Den Sinn der Hundehaltung in Anbetracht dessen, dass der Hund mo-fr von 8-20 Uhr in der Huta ist, zu diskutieren, wäre ein neues Feld.
Nur weil ein Hund nicht aufbegehrt bzw keine Auffälligkeiten zeigt, heißt das nicht, dass ihm dieser Zustand gut tut. Es gibt viele Hunde, die sich anpassen und eher phlegmatisch werden bzw tiefenentspannt rüberkommen, weil man sie eben nicht fordert, andauernd "in der ecke" liegen lässt. Klassiker: Der dicke, träge wirkende Labrador/Golden, der eigentlich aktiv, arbeitswütig und agil ist. Anpassung bedeutet aber nicht, dass es sich um einen glücklichen oder auch nur zufriedenen Hund handelt.