Hallo,
na, kommen wir doch mal wieder zum eigentlichen Thema zurück - das, wie ich finde, ein sehr schönes ist. Immerhin können wir so alle mal reflektierend zurückblicken und uns daran erinnern, dass wir alle nicht perfekt sind :-)
Ich habe bei meinem ersten Hund sehr viele Fehler gemacht und es tut mir heute in der Seele weh, wenn ich daran denke. Mit 12 Jahren habe ich ihn geschenkt bekommen - ich habe ihn heiss und innig geliebt, hatte allerdings von Hundeerziehung keine Ahnung. Würde ich der 12jährigen Julia heute begegnen, würde ich unwillkürlich denken: Der Arme Hund - das kleine Mädchen ist ja völlig überfordert! Aber damals wurden höchstens Schäferhunde ausgebildet und meine Eltern hatten ebenso wenig Ahnung wie ich.
Ein Glück, dass es heute so viele Möglichkeiten gibt, sich in Sachen Hund fortzubilden. Ich habe gelernt und Lupold hat davon profitiert, auch wenn ich natürlich immer noch Fehler mache. Aber hier geht es ja um Fehler, die früher gemacht und heute besser gemacht werden, und vielleicht bin ich da sogar ein recht extremes Beispiel, denn ich habe früher sehr vieles sehr falsch gemacht (gravierende Fehler, bei denen ich heute die Hände über dem Kopf zusammenschlage) und mache dafür heute - hoffentlich - vieles (wenn auch sicher nicht alles!) richtig. Leid tut mir dabei nur, dass mein erster Hund mein Lehrgeld bezahlen musste
Als Beispiele führe ich mal hier stellvertretend an:
1. Leinenführigkeit
Bei Robby war Leinenführigkeit schlicht nicht vorhanden, und damals war ich der Auffassung, dass es in der Natur des Hundes liegt, an der Leine zu ziehen, in der Natur der Leine, immer straff gespannt zu sein und in der Natur des Halsbands, den Hund zum husten zu bringen - traurig, aber wahr.
Robby kannte das Prozedere: Wenn das Halsband angezogen wurde, ging es ins Feld spazieren - und da wollte er nunmal möglichst schnell hin und schleifte Klein-Frauchen hinter sich her. Klappte auch wunderbar, wenn er nur feste genug zog, musste Klein-Frauchen schneller gehen und man kam schneller ans Ziel.
18 Jahre später: Lupold sollte erst gar keine Idee davon bekommen, dass es sich irgendwie lohnen kann, an der Leine zu ziehen. Schon als Welpe war völlig selbstverständlich: Wenn die Leine zuende ist, geht es halt nicht weiter, ziehen ist völlig sinnlos. Leinenführigkeit haben wir bis zum sechsten Monat ausschließlich mit einem Geschirr aufgebaut, damit er keine Haltungsschäden davonträgt. Ab dem sechsten Monat habe ich ihn an Geschirr und Halsband geführt - in kritischen Situationen habe ich die Leine am Geschirr befestigt, solange es entspannt blieb, am Halsband. Wir haben viele Leinenführigkeitstraining, Richtungswechsel und Fußübungen gemacht, und wenn nicht gerade eine hochgradig läufige Hündin vorüberschwebt, geht Poldi immer an durchhängender Leine, überholt mich nicht, und das freudige Fußgehen klappt auch (meist) schön.
2. Jagen
Robby neigte dazu, sich mitten im Spaziergang einfach mal zu verabschieden - insbesondere, wenn er eine interessante Fährte hatte. Man hörte ihn dann nur noch sein Jagdgeheul ausstoßend durch den Wald preschen. Klein-Julia stiefelte, Tränen in den Augen, hinterher und rief sich die Seele aus dem Leib, bis Robby irgendwann Stunden später wieder irgendwo auftauchte, kaputt, aber glücklich. Ein Wunder, dass das immer gut gegangen ist.
18 Jahre später: Lupold ist mit mir von Welpe an regelmäßig in Zoos und Wildparks gegangen, damit er sich an die Anwesenheit von Wildtieren gewöhnt. Dort haben wir oft Leinenführigkeit und Grundgehorsam geübt. Im Wald haben wir viel mit Schleppleine trainiert, Jagdersatztraining mit Futterbeutel gemacht und Reizangel-Training zur Impulskontrolle. Heute können die Kaninchen lustigen Ringelreihen um Lupold tanzen, er käme nichtmal auf die Idee, hinter her zu hüpfen. Nur mit Schneeleoparden hat er ein Problem, die haben ihn im Krefelder Zoo mal ziemlich angemacht ;o)
3. Leinenpöbeln
Robby hat fremde Rüden an der Leine angepöbelt und sich ohne Leine mit ihnen gerauft. Kein Wunder, denn Robby war nie richtig sozialisiert worden und durfte mit Rüden nie unbeschwert umgehen. Klein-Julia hatte seinen Raufereien nicht viel entgegen zu setzen, außer irgendwie möglichst schnell wieder aus der Situation heraus zu kommen oder sich ein Mauseloch zu wünschen.
18 Jahre später: Lupold ist mit allen Rüden verträglich. Wenn ihn an der Leine einer anmacht, ignoriert er ihn zu 95%, außer der andere ist WIRKLICH frech. Er hat ein ausgezeichnetes Sozialverhalten und durfte sich in jeder Lebensphase mit anderen Rüden messen. Deshalb weiß er heute, wie er sich überlegenen Rüden gegenüber zu verhalten hat und wie er freche Jungspunde maßvoll zurechtweisen kann.
4. Kastration
Robby wurde mit 6 Jahren auf Anraten der Tierärztin kastriert. Er sei unverträglich mit Rüden, das würde von der Kastration sicher verschwinden. Tatsächlich war der eierlose Robby danach viel aggressiver als vorher und er alterte nach der Kastration rasant. Wir haben diese Operation definitiv bereut, es war eine falsche Entscheidung auf Kosten des Hundes.
18 Jahre später: Ich bin der Kastration von Rüden heute sehr kritisch gegenüber eingestellt. Lupold darf so lange Rüde bleiben, bis er irgendwann einmal gesundheitliche Probleme mit Prostata oder ähnliches bekommen sollte. Wenn die Hündinnen mal wieder alle läufig sind, haben wir zwar eine Menge Diskussionen, und ich schwelge jedesmal in wilden Kastrationsphantasien, wenn er diesen verzückten Gesichtsausdruck bekommt, die Lefzen verzieht und mich endlos blamiert - aber er ist ein Rüde, das wusste ich schließlich vorher. Er bleibt im Gehorsam, und wenn es mich nervt, ist es mein Problem.
5. Einschläfern
Robby war 14 Jahre alt und litt an Leberversagen. Unsere Familie wollte ihn erlösen lassen, denn er war nur noch ein Häufchen Elend. Ich war egoistisch und wollte ihn nicht gehen lassen, habe wild rebelliert. Mein Wille wurde mir gelassen, doch Robby zahlte einen hohen Preis: er starb nachts unter Krämpfen, ehe ein Tierarzt erreicht war. Egal wie alt ich werde, das werde ich nie vergessen.
Lupold ist erst 2 Jahre alt und ich kann und will nicht darüber nachdenken, wie es bei ihm sein wird - ich habe ihm allerdings geschworen, dass ich bei ihm nicht dermaßen egoistisch sein werde.
So Ihr Lieben, lernt aus meinen Fehlern und macht's besser ;o)
Liebe Grüße,
Julia & Lupold