Re: Habt Ihr auch schon mal Fehler gemacht … …?
Von mir noch eine kleine Geschichte zu dem Training eines Hundes.
Früher habe ich mal gelernt, dass man einem Hund das Kommando „Sitz und Platz“ wie folgt beibringt.
Man fasse den Hund mit einer Hand an seinen Brust.-/Kehlbereich und drücke mit der anderen Hand die Kuppe hinunter und gebe dabei dem Hund das Kommando „Sitz“!
Dieses sollte man mehrfach hintereinander und mehrfach am Tage mit dem Hund in dieser Form üben.
Der Hund erlernte diesen „Befehl“ damals, in der Regel ohne großartige positive Bestätigungen! Es ging nur darum, dem Hund diesen „Befehl“ beizubringen/abzuverlangen! (ich spreche ganz bewusst von einem Befehl!)
Hat der Hund beim herunterdrücken „Widerstand“ geleistet, verstärkte man den Druck entsprechend auf die Kuppe.
Ähnlich verhielt es sich bei der Platzübung. Der Hund wurde hier zunächst in die Sitzposition gebracht, im Beckenbereich mit einer Hand gehalten und mit der anderen Hand wurden dem Hund die Vorderpfoten nach vorne weggezogen, so das dieser sich gezwungener Maßen ablegen musste.
Diese Trainingsmethoden waren damals als altbewährt bekannt, man kannte es nicht anders und hat bis auf wenige Ausnahmen nicht darüber nachgedacht mit welch einem unsinnigen Druck der Hund diese Befehle eingetrichtert bekommt und erlernt.
Die Hunde, die früher auf diese Art und Weise erzogen wurden haben diese Befehle in der Regel immer befolgt, jedoch unwillig, mit eingezogenen Schwanz und alles andere als „freudig“.
Leider ist es so das diese Trainingsmethoden, aus welchen Gründen auch immer, noch heute Anwendung finden und praktiziert werden.
Spätestens bei den unterschiedlichsten Gehorsams.-/Unterordungsprüfungen lässt sich dann erkennen wie ein Hund erzogen und trainiert wurde. Unsere heutigen Prüfer reagieren mittlerweile hier recht sensibel und rügen dies durch entsprechende Punktabzüge.
Mit den Jahren wurden bessere Trainingsmethoden entwickelt, die vielleicht etwas mehr Zeit benötigen, aber den großen Vorteil haben, dass diese keinen Druck auf den Hund ausüben, der Hund über ein positives Erlebnis und unbelastet lernt.
Z. B. anhand der Sitzübung:
Zunächst bereite ich kleine Leckerchen vor, die unser „Schüler“ am meisten bevorzugt. Diese Leckerchen sind gerade mal so groß wie der kleine Fingernagel an unserer Hand, entsprechend der Größe des Hundes vielleicht auch nur halb so groß. (Bedenkt bitte, dass diese Leckerchen eine zusätzliche Futtergabe darstellen und wir wollen unseren Hund ja nicht überfüttern!)
Bei uns fängt diese Übung immer mit einem kleinen Spiel an. Einfach nur, um eine lockere Atmosphäre zu schaffen und dem Hund zu suggerieren, dass auch die Übung nur ein Spiel ist.
In der Regel sitze ich auf dem Boden und aus dem Spiel heraus, sofern der Hund eine Vorwärtsbewegung zu mir macht halte ich Ihm ein Leckerchen verdeckt unter meinem Handrücken vor seine Schnauze und schiebe meine Hand mit einer leichten Aufwärtsbewegung Ihm entgegen, so das Er dieses zwar riechen, aber nicht gleich aufnehmen kann. Langsam und kontinuierlich schiebe ich meine Hand weiter dem Hund entgegen und immer ein paar Zentimeter über seinem Kopf, bis dieser sich von ganz alleine hinsetzt.
Jetzt könnte es passieren, dass der Hund einfach den Rückwärtsgang einlegt und sich nicht hinsetzt. In diesem Fall ziehe ich den Hund mit einer leichten Abwärtsbewegung meiner Hand wieder zu mir, bis Er unmittelbar vor mir ist und starte dann einen neuen Versuch Ihn mit dem Leckerchen erneut in die Sitzposition zu bekommen.
Setzt Er sich, gebe ich Ihm das Kommando „sitz“ und im gleichen Moment bekommt Er das Leckerchen, sowie ein freudiges Lob, dass dann wieder in ein Spielchen übergeht.
Dies wiederhole ich so lange, bis ich merke, dass der Hund beginnt an Motivation zu verlieren und schließe rechtzeitig dieses Training mit einer positiven Bestätigung/Sitzübung ab.
Eine kleine Anmerkung zur Kommandovergabe/-aussprache:
wenn man ein „Kommando“ gibt, braucht dieses nicht wer weiß wie betont oder gar geschrien werden. Ganz im Gegenteil, gebt das Kommando ganz normal und bitte immer nur ein und den selben Begriff verwenden. Und bleibt nach Möglichkeit in Eurer Betonung immer gleich.
Zu der Platzübung gibt es analog ein sehr schönes und exemplarisches Video, auf das ich, sofern erlaubt, Euch hinweisen möchte:
kleines video...
Dieses Training entspricht im wesentlichen auch dem Meinigen, ist absolut unbelastet für einen Hund aufgebaut und endet immer in einer positiven Bestätigung. Aber auch hier sei gesagt, rechtzeitig mit einer Übung abschließen!
Der einzigste Fehler, der dem guten Hundeführer hier unterlaufen ist und sei erwähnt, dass das Kommando schlicht und einfach „Platz“ heißt und nicht „mach mal Platz“.
Aber dies ist nur ein kleiner Schönheitsfehler!
Also eindeutige, prägnante und kurze Kommandos verwenden und nicht dem Hund die Ohren voll Labern.
Und vor allem, fangt ein derartiges Training nicht auf unangenehmen Untergründen an! Sondern auf Bodengegebenheiten die für Euren Hund angenehm sind.
Gruß Jörg
Ergänzend möchte ich dem noch folgendes anbeifügen:
Sofern ich einem Hund im Training ein verbales Kommando gebe verstärke ich dies durch eine visuelle Gestik. Dies bedeutet, sofern ich beim Kommando Sitz das Leckerchen freigebe, erfolgt auch sofort die Gestik mit dem erhobenen Zeigefinger, oder beim Kommando „Platz“ die offene Handfläche die nach unten weißt.
Der Vorteil liegt darin begründet, dass der Hund effizienter die Kommandos umsetzen kann. Einmal durch den verbalen Ausdruck und dann verstärkt durch die Verknüpfung der Gestik/Handbewegung. Ein weiterer großer Vorteil ergibt sich durch die Gestiken, dass ich später meinen Hund über größere Distanzen delegieren und führen kann ohne das ich mich verbal zum Ausdruck bringe. Zeitweise kommen die verbalen Kommandos auch erst gar nicht beim Hund an, weil z. B. der Hund sich weiter entfernt hat und ein kräftiger Gegenwind herrscht.
Interessant wird diese Trainingsmethode beim Vorausschicken und Links/Rechts Kommandos auf Distanz.