Stadthunde-Blog 14.09.2009

Lupolds Lassie-Komplex

Freitag nachmittag, endlich, das Wochenende steht vor der Tür! Noch eben schnell einkaufen – da tönt ein nur zu gut bekanntes Bellen aus dem Garten. Oh nein! Lupold hat wieder irgendetwas gerettet! Ich verziehe leidgeprüft das Gesicht und eile zur Hilfe...

 

Der Lassie-Komplex wurde bei Redaktionshund Lupold schon recht früh deutlich. Mit sieben Monaten fand er einen entflogenen, erschöpften Wellensittich. Es folgten eine ausgetrocknete Kröte und eine angefahrene Katze.

 

Außerdem wollte er im Zoo die Besucher vor den Schneeeleoparden und am Badesee zwei Frauen vor dem vermeintlichen Ertrinken retten – was Frauchen unverständlicherweise nicht gestattete.

 

Lupold rettet ein Taubenjunges

 

Nun war es also ein Taubenjunges, dessen Nest von einer Katze geplündert worden war. Die Katze war heldenhaft in die Flucht geschlagen und das unglaublich hässliche Taubenjunges ins Sichere gebracht worden. Er spuckte es, völlig unversehrt, vor mir aus und platzte vor Stolz.


Eine Taube! Warum ausgerechnet eine Taube? Warum nicht ein Uhu?! Okay, mit einer pfiffigen Elster oder einem mysteriösen Raben hätte ich mich auch anfreunden können. Aber eine Taube? Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen – aber gut, dem Tier musste geholfen werden. Unter Lupolds begeistertem Herumhüpfen wurde das wehrhafte kleine Monster erst einmal notgefüttert.

 

Lupold fiel der Abschied schwer

 

„Wie, Ihr Hund hat die gerettet?!“ fragte mich die Dame von dem Naturschutzbund, den ich um Hilfe bat, entgeistert - nachdem sie eine ebenso gereizte wie überflüssige Standpauke über das richtige Verhalten bei der Auffindung von Jungvögeln gehalten hatte. „Lange Geschichte,“ entgegnete ich knapp.

 

Den ebenso gereizten wie überflüssigen Rat, die Taube einfach wieder der Katze vor zu setzen, befolgte ich allerdings nicht. Statt dessen wurde das kleine Monster ins Tierheim Düsseldorf gebracht, das über eine schöne, große Taubenstation verfügt.


„Wie, Ihr Hund hat die gerettet?!“ fragte die Dame im Tierheim Düsseldorf Samstag morgen gut gelaunt, nachdem ich die Lorbeeren über mein Engagement nicht annehmen wollte. Lupold legte den Kopf schief und wedelte stolz. Der Abschied von seiner Taube fiel ihm zwar etwas schwer, aber wahrscheinlich sieht auch er ein, dass Frauchen nicht alles behalten kann, was von ihm 'gerettet' werden muss. Ein echter Retter muss eben auch loslassen können. (je)

 

 

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